Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt! (Psalm 26, 8) Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien

Die ehemalige St.Petrikirche

Die St.Petri-Gemeinde entstand bereits im 12. Jahrhundert auf der Insel zwischen den beiden Spreearmen, im damaligen Cölln. Die Bewohner dieses leicht hügeligen, bewaldeten Gebietes waren überwiegend Fischer und einfache Handwerker, was sich noch im heutigen Namen Fischerinsel wiederspiegelt. Im Verlauf ihrer langen Geschichte baute die Gemeinde wenigstens fünf Kirchen im Zentrum dieser Insel, deren Gestalt und Baugeschichte sehr unterschiedlich dokumentiert sind.

Eine erste Kirche entstand vermutlich als spätromanische Feldsteinkirche in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bereits 1370 musste sie einer deutlich größeren, dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche weichen, die 1730 durch Brand zerstört, 1733 als barocke Kirche neu errichtet und 1809 wiederum durch Feuer vernichtet wurde.

Bis 1846 hatte sich die Gemeinde zu gedulden, ehe der Beschluss zum Aufbau einer neuen, diesmal neugotischen Backsteinkirche gefasst werden konnte und die dazu nötigen Geldmittel den Baubeginn erlaubten. In der Zwischenzeit fanden die Gottesdienste im Dom und in der Gertraudenkirche am Spittelmarkt statt. Erst 1852 wurde der Bau dieser letzten Petri-Kirche fertiggestellt; sie entstand nach Entwürfen von Johann Heinrich Strack, besaß ein Querschiff, vier achteckige Seitentürme und hatte einen Kirchturm von 96 m Höhe, damals der höchste Turm Berlins. Die Kirche besaß 1500 Sitzplätze, bot aber insgesamt Platz für etwa 3000 Gemeindeglieder. Sie hatte eine der größten Orgeln Berlins.

1945 wurde sie ein Opfer des Zweiten Weltkrieges, allerdings weniger durch Bombenabwurf als durch Beschuss und Kampfhandlungen in den letzten Kriegstagen. Ihre Ruine stand später einer sozialistischen Stadtplanung im Wege und musste von der Gemeinde aufgegeben werden. 1964 verschwand sie endgültig aus dem Stadtbild. Die Gemeinde versammelte sich seit dem Krieg in ihrem Gemeindehaus in der Neuen Grünstraße 19.

Der Petriplatz in der Mitte Berlins ist ein symbolisch verdichteter Ort: er ist der Urort der Stadt, auf den sich die erste urkundliche Erwähnung Berlins bezieht. Die archäologischen Grabungen auf dem Platz von 2007-09 haben die Einsicht wachsen lassen, dass dieser Urort Berlins eines besonderen Umgangs bedarf.

Die St. Petri-St.Mariengemeinde hat 2008 Beschlüsse gefasst, die auf die Errichtung eines neuen Bet- und Lehrhauses zielen. Seit 2010 arbeiten die Jüdische Gemeinde Berlin, das Forum für Interkulturellen Dialog e.V. als islamischer Partner und die St.Petri-St.Mariengemeinde konzeptionell, strukturell-organisatorisch und im Hinblick auf die Bauplanung an der Realisierung des Projekts. › House of One – Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin