Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien

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28. Juni 2016

Der Parochialkirchturm kehrt zurück

Presseerklärung des Denkmal an Berlin e.V. zum Richtfest des Turms der Parochialkirche am 1.7.2016

72 Jahre nach seiner Zerstörung durch Brandbomben und 301 Jahre nach seiner ersten Erbauung nach Plänen von Jean de Bodt erhebt sich der 65 m hohe Turm mit 52 Glocken wieder über der Parochialkirche und über dem alten Klosterviertel. Dies ist der derzeitige Höhepunkt der Rekonstruktions-und Sanierungsmaßnahmen an der Parochialkirche, die 1991 begannen.
Das Richtfest am 1.7.2016 beendet eine bemerkenswerte Bauetappe. Der Turm mit einer Stahlkonstruktion, ummantelt von einer Holzverschalung und bekleidet mit Kupferblech ist in vier Baugruppen am Boden zusammengefügt worden. Von unten nach oben sind dies
1. das Leitungsgeschoß, 2. das Glockengeschoß 3. das Uhrengeschoß und 4. die Turmpyramide (Kaiserstiel).
Bekrönt wird der Turm von einer vergoldeten Kugel, in die vier Kassetten mit Dokumenten eingelegt sind. Darin befinden sich u.a. die Baupläne, Tageszeitungen, ein Siegel der Paorchialkirche und ein Segensspruch der Gemeinde. Darüber leuchtet eine vergoldete Sonne, die vom Architekten entworfen wurde.
In einer aufsehenerregenden Aktion wurden diese einzelnen Bauteile mit einem Gewicht von insg. 94 Tonnen in vier Tagen von einem 1000 t-Kran und einem kleineren Hilfskran auf den Turmrumpf aufgesetzt und miteinander verschraubt. Allein das Uhrengeschoß wiegt 40 Tonnen. Den Abschluss der Turmpyramide bildet der 12 m lange Kaiserstiel mit Dokumentenkugel und Sonne. Damit ist der städtebauliche Dreiklang der Türme des Roten Rathauses, des benachbarten Stadthauses und der Parochialkirche wiederhergestellt, der diesem ältesten Stadtteil von Berlin seinen markanten städtebaulichen Akzent gab und jetzt wiedergibt.
Die Rekonstruktion des Turmes liegt in den Händen des Architekten Jochen Langeheinecke und seines Büros "Planer am Haussee", der seit 1991 auch die baulichen Maßnahmen an der kriegszerstörten Kirche geleitet hat. Besonders bemerkenswert ist, dass die Auszubildenden und Lehrer der Knobelsdorff-Schule, Oberstufenzentrum Bautechnik, die Turmpyramide gebaut haben.
Der Verein Denk mal an Berlin e.V. unter seinem Vorsitzenden Hans Wall und mit seinen Vorstandsmitgliedern Detlef Graf von Schwerin, Michael Tegtmeier, Elisabeth Ziemer und Sisi Zheng ist in Abstimmung mit der evangelischen Kirchengemeinde
St. Petri-St. Marien Bauherr der Maßnahme. Der Verein hat seit 2008 für diese Baumaßnahme unermüdlich um Spendenmittel geworben.
 
Die gesamte Bausumme beträgt 3.53 Mio €, davon hat die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin 2,91 Mio € beigetragen, Hans Wall hat das Glockenspiel mit 420 000 € finanziert und der Verein hat 200 000 € zusammengetragen.
Die Kirche war bis zu ihrer Zerstörung berühmt für dieses Glockenspiel. Mit der Kirchengemeinde ist verabredet, dass das Glockenspiel regelmäßig erklingen wird, sodass die .Kirche in Zukunft wieder ihren alten Beinamen "Singuhrkirche" verdient. Das Glockenspiel wurde von der dreihundert Jahre alten holländischen Firma Petit & Fritsen–in der gleichen Art gegossen wie das Glockenspiel, das am 24.5.1944 bei der Zerstörung der Kirche unterging.
 
Pressekontakt:
Dr. Agnete von Specht
Tel. 030-45 08 77 17 / 18
mail@denk-mal-an-berlin.de

Fotos:
› https://www.facebook.com/DenkmalanBerlin/

Statement der Ev. Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien zum Richtfest

"Mit dem Wiederaufbau des Kirchturmes wird die Parochialkirche in ihrer äußeren Erscheinung wieder hergestellt und eine weitere Wunde unserer Stadt geheilt.
Die Gemeinde St.Petri-St.Marien freut sich über das bürgerschaftliche Engagement von Denkmal an Berlin e.V., das die Wiedererrichtung des Turmes ermöglicht hat.
Unser Dank gilt allen Mitglieder und Spendern des Vereins, der Stiftung Lotto Berlin, sowie im Besonderen Hans Wall, der durch seinen jahrelangen unermüdlichen Einsatz verwirklicht hat, was uns als Gemeinde nicht aus eigenen Mitteln möglich gewesen wäre." (Pfarrer Eric Haußmann)

Die Übergabe des fertiggestellten Turmes und das erste Erklingen des einzigartigen Glockenspiels sollen noch in diesem Jahr erfolgen.

Daten und Fakten zum Wiederaufbau des Parochialkirchturms

Zur Baugeschichte:
Im historischen Zentrum Berlins – dem seit dem Mittelalter bebauten Klosterviertel – entstand 1703 die Parochialkirche („Parochie“ bedeutet „Pfarrgemeinde“) als Stadtkirche für die reformierte Gemeinde. Sie gilt als eine der ersten barocken Kirchenbauten von Rang in Berlin. Der Entwurf stammte von den Berliner Baumeistern Johann Arnold Nering und seinem Schüler Martin Grünberg.
1713/14 kam der von Philipp Gerlach entworfene, das Stadtbild prägende Turm hinzu, der das berühmte, von König Friedrich I. u. König Friedrich Wilhelm I. gestiftete Glockenspiel mit 37 Glocken beherbergte. 1717 ertönte es zum ersten Mal. Es konnte individuell von einem Carilloneur bedient werden, aber auch über das Uhrwerk und wurde – bis 1944 - zur Attraktion der Berliner Altstadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg übertrug der Rundfunk die Konzerte teilweise europaweit.

Zerstörung und Wiederaufbau:
Ein Bombenangriff machte die Kirche 1944 zur Ruine; der Turm wurde vollständig zerstört.
In den 1990er Jahren wurde das barocke Äußere des Kirchenbaus unter der Leitung des Architekten Jochen Langeheinecke wiederhergestellt. Der Turm wurde jedoch ausgespart.

Rekonstruktion des Glockenturms:
Seit 2008 hat der Verein Denk mal an Berlin e. V. mit seinem Vorstandvorsitzenden Hans Wall unermüdlich um Spendenmitteln für die
Rekonstruktion des Turms der Parochialkirche geworben. Im April 2014 übertrug die Ev. Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien dem Verein die Bauherrenschaft und gestattete ihm am 4. Dezember 2014 mit dem Bau zu beginnen, so dass zum Jahresbeginn 2015 einer der wichtigsten Wiederaufbauprojekte der Stadt, wiederum unter der Leitung des Architekten Jochen Langeheinecke, in die Realisierungsphase treten konnte.

Kosten und finanzielle Voraussetzungen:
Die Baukosten belaufen sich auf 3.530.000 EUR. Die finanziellen Voraussetzungen für die Realisierung des Projekts schufen der Vorsitzende von Denk mal an Berlin e. V. Hans Wall mit einer Spende von 420 000 EUR für das Glockenspiel und der Verein mit zahlreichen Einzelspenden. Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin bewilligte 2.910 000 EUR.

Baufortschritt:
Seit September 2015 wurde direkt vor der Kirche die Stahlkonstruktion für den neuen, insgesamt 65 m hohen Kirchturm zusammengebaut. Vom 27. Juni – 1. Juli 2016 werden die Turmteile mit Hilfe eines Krans an ihren endgültigen Platz gehoben.
Das neue Glockenspiel wurde in der traditionsreichen niederländischen Glockengießerei Petit & Fritsen - heute eine Filiale der Firma Royal Eijsbouts - angefertigt und besteht aus 52 Glocken. Dadurch werden künftig auch moderne Kompositionen spielbar sein.

Richtfest:
Am 01. Juli 2016 um 16:00 Uhr lädt der Verein Denk mal an Berlin e. V. zum Richtfest ein, um mit den an der Ausführung Beteiligten, den Vereinsmitgliedern, Freunden und Förderern sowie den Nachbarn das Richtfest für den neuen Glockenturm der Parochialkirche zu feiern.