Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

„Die Ältesten unter euch ermahne ich,
der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:
Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig,
wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als solche die über Gemeinden herrschen, sondern als Vorbilder der Herde.
So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“

Ein Ältester/eine Älteste schenkt weisen und klugen Ratschlag. Ein Mensch, dessen Erfahrung eine andere ist als die deine. Diese Erfahrung kannst du verwerfen.
Diese Erfahrung kannst du annehmen und sie zum Teil deines eigenen Lebens machen.
Die Entscheidung, ob du dein Leben mit dieser Erfahrung kalibrierst, überlassen dir die Ältesten voll und ganz.

Du kannst zum Ältesten für andere und für dich selbst werden. Zuallererst übernimmst du Verantwortung für andere und für dich selbst. Niemand außer dir selbst ist daran schuld, was du tust und was du lässt.

Niemand außer dir selbst ist daran schuld, was dir passiert.
Niemand außer dir selbst entscheidet, ob du links oder rechts abbiegst außer dir selbst, auch wenn es einfacher scheint, immer die halbe Welt verantwortlich für dieses oder jedes zu machen.

Als Ältester oder Älteste für dich selbst und deine Nächsten verstehst du, dass kein anderer dir die Verantwortung abnimmt und auch kein anderer schuld ist.

Wenn dieser Gedanke tief in dir Wurzeln schlägt, wirst du zum Ältesten über deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft.

Wenn dieser Gedanke tief in dir Wurzeln schlägt, wirst du zum Ältesten über dein Leben und das Leben der anderen.
Du entscheidest, wer oder was Macht über dich hat. Hier liegt Schlüssel aus dem Gefängnis. Du entscheidest.

Dir geschehen immer Menschen und Dinge. Die einen großartig und unendlich schön, die anderen fürchterlich und traurig.

Werde zum Ältesten/zur Ältesten für dich selbst und entscheide, wieviel Macht du ihnen über dich gibst.

Bestimmen Sie dein Ein und Alles, bestimmen sie dich, bist du gefangen im Grab. Ein großer Stein wird vor die Höhle deiner Seele gerollt.

Nimmst du den Menschen und den Dingen aber die Macht über dich, dann bestimmen sie gar nichts und dein Ein und Alles ist Freiheit.
Dieser Freiheit kann kein Stein und keine Kraft widerstehen und es bleibt hell in deiner Seele, noch heller als am Ostermorgen, weil du siehst und verstehst.

Weil du siehst und verstehst, was Angst ist und was Sorge ist und was Schmerz ist. Auch das gehört zum Ältestenamt.

Angst, Sorge, Schmerz bleiben da, aber du nimmst ihnen ein Stück ihrer unendlichen scheinenden Kraft.

In dieser Erkenntnis entdeckst du eine schier unendliche Freude, die vielleicht nur für die Dauer des Flügelschlags einer Biene anhält.

Diese Erkenntnis mag jedoch so herrlich sein, dass sie jeden Schmerz und jede Sorge in sich aufnimmt bis ihre Macht endgültig zerbrochen sind.

Bis zu diesem endgültigen, bis zu diesem letzten Moment, wird das Eis in deinen Augen noch oft tauen und du wirst dir selbst sagen, dass es alles Quatsch ist.

Es ist Quatsch, dass alles gut wird und du fühlst es sogar, weil du erfahren hast, dass nicht immer alles gut wird.

Stimmt! So vieles hat Macht über dich und du bist ein kraftloser und saftloser Ältester deiner selbst und für die anderen. Wenn es nicht gut geworden ist, spürst du dies ganz genau.

So vieles bestimmt dich und so vieles bestimmt die anderen:
Krankheiten, der Lauf dieser Welt, das Wetter, der Tod, die Politik, die Hundescheiße auf dem Gehsteig, die Nachbarn, die Chefin, die Krankenkasse, der öffentliche Rundfunk, die Schwarzseher im Fernsehen, die Zukunft,
die schreienden Kinder, die fordernden Moralisten, die BVG, die nicht pünktlich kommt, die Muslime, Facebook, die Vergangenheit und fake news, die Kriege dieser Welt, dein Exmann oder deine Exfrau, Nikotin und deine Trauer über das, was du verloren hast und so weiter und so fort.

Stimmt! Alles hat Macht über dich und es stimmt aber auch, dass nichts Macht über dich hat.
Irgendwo zwischen diesen Mächten bist du und kannst dir selbst und den anderen ein Ältester oder eine Älteste sein.

Irgendwo dazwischen bist du und hast auch Macht:
Die Macht der Freiheit, für einen kurzen oder längeren Moment dem Ganzen keine Macht zu geben.

Sei es nur die Zeitspanne des Flügelschlages einer Biene oder ein ganzer Tag.
Du kannst dich selbst führen und leiten und du kannst andere dahin führen und leiten, dass sie nicht ersticken in all diesen Menschen und Dingen, die uns die innere Luft zum freien Atmen nehmen.

Wie kann ich nun so vermessen sein, dir zu sagen, dass du dir dein tägliches Osterfest der Freiheit selbst schenken kannst, denn nichts anderes ist es als Ostern, wenn wir Dingen und Menschen keine Macht über uns geben. Wie kann ich nur?!

Ich will es und ich tue es!
Ich kann es und ich will es, weil ich davon überzeugt bin, dass es zu früh ist, jetzt schon wieder im Karfreitag zu versinken. Ostern ist und bleibt!
Auch für dich und mich persönlich. Wie kraftvoll und hell, das entscheiden wir
und wir können es entscheiden.
Jeden Morgen muss auch ich mir die Nacht aus den Haaren streichen und mir dieses Ostern erkämpfen. Es gibt Tage, da will es partout nicht gelingen.
Aber ich habe sie immer wieder – diese Tage – wo ich es schaffe, den Stein vom Grab zu rollen und frei zu sein.
Ich entscheide, wer und was Macht über mich hat und dann,
dann bin ich ein Ältester für mich selbst, egal wie jung oder alt ich bin.

Dann habe ich gesehen und verstanden, dass ich Verantwortung für mich selbst trage und dass diese Verantwortung keine Last ist, sondern die Freiheit, die mir dieser auferstandene Gott – unser Gott – schenkt, von dem wir heute soviel in diesem seltsam antiquierten Bild vom Hirten hören, singen und beten.

Dann haben wir gesehen und verstanden, dass unsere Verantwortung als Älteste füreinander keine Last ist, egal wie jung oder alt wir sind.
Dann haben wir die Freiheit, einander in Liebe zu führen und leiten und nichts – rein gar nichts – als diese Liebe hat Macht über dich und über mich und über uns.

Der Herr ist auferstanden!
[Er ist wahrhaftig auferstanden!]

Einen jeden Menschen unter euch ermahne ich, der Mitmensch und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet einander, die ich euch einander anbefohlen habe und achtet aufeinander, nicht gezwungen, sondern FREIwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als solche, die über die Schwächen der anderen herrschen, sondern als Vorbilder füreinander in vermeintlicher Stärke und offenbarer Schwäche. So werdet ihr jetzt schon und in Zukunft, wenn der Erzhirte erscheinen wird, die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit glücklich einander vor die Füße legen.

Amen