Wovon träumen Sie, Seyran Ateş?
ICH TRÄUME VON FREIHEIT

Meine Damen und Herren,
„wovon träumen Sie, Seyran Ateş werde ich gefragt und ich sage Ihnen, ich träume von nichts Geringerem als FREIHEIT.

Ebenso wie Martin Luther Kind, Rosa Parks, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Olympe des Gouges, Malala und viele andere, deren Aufzählung Stunden in Anspruch nehmen würde, wenn nicht gar Monate und Jahre, die gewaltfrei für FREIHEIT und FRIEDEN gekämpft, ihr Leben eingesetzt und dafür verletzt, diffamiert, eingesperrt, erniedrigt, beleidigt und manch eine und einer getötet wurde.

Ich träume von FREIHEIT seit ich denken kann. Weil ich es erlebt habe, was es bedeutet UNFREI zu sein.
Niemand kann sich das vorstellen, der es nicht selbst – wenn auch nur ansatzweise – erlebt hat. Niemand, der sich FREIHEIT nicht erkämpfen musste, niemand der zu einem selbstbestimmten Leben erzogen und von seinen Eltern und seiner Familie als vollwertiges Individuum gefördert wurde.

Wissen Sie, wie es ist, wenn sie sich nicht einfach mit gleichaltrigen zum Spielen verabreden dürfen, weil sie ein Mädchen sind, wie es ist, wenn sich Teenager um sie herum sich für einen Kinobesuch, Kegeln oder zu einem Geburtstag verabreden und sie sind die Einzige, die nie mitgehen darf? Nicht, weil die anderen sie nicht dabeihaben wollen, sondern, weil ihre Eltern das nicht erlauben. Weil sie eine Mädchen sind.

Wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn sie als Kind und Jugendliche schon spüren, dass ihnen die Kindheit und Jugend genommen, regelrecht geraubt wird? Wissen Sie, wie es sich anfühlt zuzusehen, wie andere Kinder einfach Kinder sein dürfen und sie nicht?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir zerreißt es das Herz, wenn ich z.B. – und das ist nur ein Beispiel von vielen – ein kleines Mädchen mit Kopftuch am See stehen sehe, während alle anderen Kinder aus ihrer Klasse, muslimische Jungs inbegriffen, sich im Wasser amüsieren. Ebenso, wenn Mädchen aus dem Fenster auf den Hof schauen, während andere Kinder draußen spielen. Ich rede von den Mädchen, die nicht rausdürfen, weil sie als Mädchen weder mit Jungs noch anderen Mädchen spielen dürfen. Warum? Weil eine Sitte und Moralvorstellung der Eltern dies so fordert.

Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn hinter Ihnen die Wohnungstür zugeschlossen und sie in der Wohnung eingesperrt werden, um zu verhindern, dass fremde Männer sie sehen.  Unendlich ist die Liste, die ich Ihnen hier aufzählen könnte, der Dinge, die ich selbst erlebt habe und von denen hunderte meiner Mandantinnen mir berichtet haben. Dies sind Berichte von
sogenannten Einzelfällen, die einfach nicht aufhören wollen.

Und worum ging es immer wieder? Es ging darum, dass man uns Mädchen das Recht nahm FREI zu sein, weil man der Ansicht war und ist, dass Mädchen nicht frei sein dürfen, dass Frauen nicht frei sind. Nur aufgrund ihres Geschlechts. Von den Föten und Babys, die getötet wurden, weil sie Mädchen waren will ich hier und heute erst gar nicht reden. Ich rede von denen, die es geschafft haben, am Leben zu bleiben.

Ich selbst habe sowohl viel physische Gewalt als auch viel psychische Gewalt erlebt. Erniedrigungen und Diskriminierung, nur weil ich ein Mädchen war, dazu gehörte z.B. Füße waschen meines ältesten Bruders, die Bedienung von Gästen und das Schweigen. Ich sollte nicht meine Meinung sagen, ich sollte keine eigene Meinung haben, schon gar nicht, wenn sie nicht den Prinzipien des Patriarchats entsprach.

Erinnern Sie sich noch an den Film ROOTS?
Roots („Wurzeln“) ist eine Mini-Fernsehserie nach dem gleichnamigen Roman „Wurzeln“ von Alex Haley. Die Erstausstrahlung in den USA war im Jahre 1977. Im selben Jahr wurde die Serie in Deutschland ausgestrahlt. Ich habe sie verschlungen und lebte regelrecht in ihr.

Ich war 14 Jahre Jahr alt, als ich die Serie sah, gemeinsam mit meiner Familie. Ich erinnere mich wie heute, wie es sich anfühlte. Ich sah viele Parallelen zu meinem Leben und sprach es aus. Ich sagte, dass ich mich so fühle wie die Sklaven, in diesem Film. Meine Familie überhörte es. So wie sie alles andere überhörten, wenn ich über meine Bedürfnisse und Unterdrückung durch meinen ältesten Bruder sprach. Für meine Familie galt, dass der älteste Bruder immer recht hatte. Einen Machtmissbrauch konnten sie sich nicht vorstellen. Und Schläge hätte ich von ihm sicher nur bekommen, wenn ich etwas falsch gemacht habe.

„Du bist selbst schuld, wenn Du geschlagen wirst. Du hast Dich einfach nicht richtig verhalten.“ Das hören weltweit die allermeisten Opfer von häuslicher Gewalt. Meistens Frauen und Kinder.
Natürlich werden auch kleine Jungs Opfer von Gewalt. Aber, je älter die Menschen werden, desto geringer ist die Zahl der männlichen Opfer von häuslicher Gewalt.
Häusliche Gewalt kennt keine religiösen, nationalen und kulturellen Grenzen. Überall auf der Welt, egal ob in Brasilien, in Japan, in der Ukraine, in China, in Kuwait, in Ägypten oder in Australien, überall sieht das Gesicht häuslicher gleich aus. Meist ist es ein blaues Auge oder Hämatome am ganzen Leid. Opfer – Täter – Motive sind identisch, unabhängig von Herkunft und Religion. Das Große und Ganze dahinter ist das Patriarchat, die MACHT.

Ich träumte also von FREIHEIT, während ich die Serie sah. Ich spürte die Erniedrigungen, die die Sklaven erlebten, ich spürte den Schmerz der Protagonisten am eigenen Leib und weinte regelmäßig, während ich die Serie schaute und weinte über das Leid, dass die schwarzen Sklaven erleben mussten. Ich weinte aber auch um mich, ich weinte über mein eigenes, ungerechtes Leben. Ich wünschte mir FREIHEIT für die Sklaven und für mich und ich betete dafür. Ich bat innerlich Gott um Hilfe, um diesem Joch zu entkommen.

Ich träumte von FREIHEIT!
Das Filmepos erzählt, beginnend um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die Geschichte von insgesamt sieben Generationen einer afroamerikanischen Familie.
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere von Ihnen auch an diese Serie.
Die Geschichte beginnt mit der Verschleppung des 17-jährigen Kunta Kinte aus einem westafrikanischen Dorf in Gambia, um ihn später auf einem Sklavenmarkt in Nordamerika als „Nigger“ zu verkaufen.
Der Filmepos endete mit dem Sezessionskrieg. Für die Konföderierten bedeutete es die Kapitulation und für die Schwarzen sollte es die Freiheit bringen. Die Abschaffung der Sklaverei war sicher ein Erfolg. Doch an dieser Geschichte kann man sehen, dass FREIHEIT nicht gleich FREIHEIT bedeutet. Die einen sind dennoch freier als andere geblieben. Sogar FREIHEIT kennt doppelte Standards.

Schikanen und militante Widerstände seitens der weißen Bevölkerung, aber auch wirtschaftliche Zwänge, ließen die ehemaligen Sklaven weiterhin in Abhängigkeit leben, bis sie mit Hilfe eines weißen Überläufers einen Sieg gegen die Weißen erringen und auswandern können. So wird es in dem Film erzählt.

Die Geschichte der Sklaverei ist aber nicht nur eine Geschichte Nordamerikas. Sklaverei hat es schon viel früher gegeben und es waren nicht nur Schwarze, die von Sklaverei betroffen waren. Dessen sollten wir uns bewusst sein.
Wir sollten auch nicht verschweigen und vergessen, dass Europa ein Teil dieser Maschinerie war. Heute reden wir, auch in Deutschland, mitten im modernen Europa, von moderner Sklaverei. Nicht ohne Grund.
Menschen arbeiten mitten in Europa unter sklavenähnlichen Verhältnissen. Des Überlebens willen, sind Menschen bereit, prekäre Arbeitsverhältnisse einzugehen. „Prekäre Arbeitsverhältnisse“, eine schöne Umschreibung für die moderne Sklaverei.

Europa war damals ein wichtiger Motor für die Sklaverei in Nordamerika und ist es leider heute noch, wenn es um die Ausbeutung des Kontinent Afrika geht. Denn am Ende ist es die WIRTSCHAFT, das GELD, welches die Welt regiert. Als eines der reichsten Länder dieser Erde trägt Deutschland für viel Armut auf dieser Welt bei. Das betrübt mich sehr und ich denke, dass wir als Zivilgesellschaft viel zu wenig dagegen tun. Von Kinderarmut in Deutschland ganz zu schweigen.

SCHWARZE haben mit MARTIN LUTHER KING für gleichen Lohn für gleiche Arbeit gekämpft.
Heute kämpfen – nicht nur in Deutschland – Frauen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Und sie kämpfen gegen Gewalt und Unterdrückung.
Die friedliche Emanzipationsbewegung der Schwarzen war ein Vorbild für nachfolgende Bürgerbewegungen, so auch für die Frauenbewegung. Gewaltfreiheit war für Martin Luther King eine wichtige Voraussetzung für seinen Kampf. Auch, wenn ihm massive Gewalt entgegengebracht wurde.

Ich habe zu Beginn meiner Rede ein wenig von der Gewalt, die ich in meiner Familie erlebt habe berichtet. Nur mit GEWALT, bzw. ANGST vor körperlicher Gewalt konnte ich gezwungen werden, meinem Bruder die Füße zu waschen. Kein Kind macht das sonst freiwillig.
In mir wuchs eine Wut gegen meine Peiniger, eine Wut, die ich auch in den Augen der Schauspieler in dem Film ROOTS gesehen habe. Eine Wut auf Menschen, die mich mit Gewalt zu etwas zwangen, was ich nicht wollte. Aus dieser Wut entstanden und entstehen meine Träume, nach einer besseren Welt. Meine Träume nach FREIHEIT.

Ich habe schließlich noch viel schlimmere Gewalt als in meiner Familie von manchen Männern und Frauen erlebt, die nicht wollten, dass alle Frauen aus der Türkei lesen und schreiben lernen, türkische und kurdische Frauen Deutsch lernen, Frauen sich mit anderen Frauen über ihre Probleme austauschen und Frauen ihre gewalttätigen Ehemänner verlassen.

Ich wurde 1984 angeschossen. 2006 gab ich aus Verzweiflung meine Zulassung als Anwältin zurück und schloss meine Kanzlei, meine Existenzgrundlage wurde mir genommen, 2009 habe ich mich ganz aus der Öffentlich gezogen, weil ich ein Buch mit dem Titel „ Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ geschrieben hatte. Mehrere Jahre meines Lebens konnte ich nicht studieren oder arbeiten. Man hetzt in Medien und im Netz gegen mich. Man trachtet mir wieder nach dem Leben. Seit 2006 lebe ich unter Personenschutz durch das LKA.

WARUM?
Selbstverständlich stelle ich mir immer wieder die Frage WARUM? Was habe ich getan, wofür stehe ich, warum trachten Menschen nach meinem Leben?

Das natürliche Recht eines jeden Menschen auf LEBEN, WÜRDE und FREIHEIT ist offensichtlich nicht selbstverständlich. So unglaublich das klingen mag: Es gibt Menschen, die andere Menschen zwingen wollen, so zu leben, wie sie es wollen. So banal ist es. Es gibt Menschen, die absolute MACHT über andere Menschen besitzen wollen.

“I HAVE A DREAM!”
Diesen Satz, diese Überschrift mit seiner dazugehörigen Rede hat uns Martin Luther King hinterlassen. Sein Traum war und ist ein Traum von einer Welt, in der Weiße und Schwarze Geschwisterlich zusammenleben, als gleichberechtigte Menschen.

So hat es auch Nazim Hikmet, der großartige Dichter aus der Türkei, in einem seiner bekanntesten Gedichte beschrieben:

Leben, Einzeln und frei wie ein Baum
und geschwisterlich wie ein Wald.
Das ist unsere Sehnsucht.

All die FREIHEITSKÄMPFER und KÄMPFERINNEN FÜR DIE FREIHEIT und GLEICHBERECHTIGUNG DER GESCHLECHTER der Menschheitsgeschichte, so auch Martin Luther Kind, haben uns wichtige Dinge gelehrt und hinterlassen. Sie haben uns eine HALTUNG und eine VERANTWORTUNG hinterlassen.

Wir sind mitverantwortlich für alles BÖSE und SCHLECHTE, was in dieser Welt geschieht, wenn wir nicht an unsere Träume glauben und wenn wir nicht wenigstens den Versuch unternehmen oder andere wenigstens moralisch unterstützen, für die Rechte der Armen und Ärmsten sich einzusetzen, wenn nicht jede oder jeder schon in der Lage ist, selbst auf die Barrikaden zu steigen, dann gebt wenigsten denen moralische Unterstützung, die Ihren Kopf für die FREIHEIT hinhalten.
Stellt euch neben Menschen, die für die GUTE Sache ihr LEBEN und ihre FREIHEIT opfern.

Dazu passt zum Abschluss die Geschichte von RUBY BRIDGES:
Ruby Nell Bridges geboren am 8. September 1954 in Mississippi im Süden der USA. Sie war das älteste von vier Kindern des Ehepaares Abon und Lucille Bridges.
Als Ruby sechs Jahre alt war, erlaubte der Staat Louisiana aufgrund einer neuen Rechtslage, dass Afroamerikaner in New Orleans bislang rein weiße Schulen besuchen konnten und somit an Grundschulen die Rassensegregation aufgehoben werden sollte.
Dafür mussten Afroamerikaner aber einen schwierigen Eignungstest bestehen. Ob der aktuelle Präsident (Donald Trump) der USA den Eignungstest wohl bestanden hätte?
Man ging offensichtlich davon aus, dass zu viele Schwarze Bildung einfordern würden. Und mit einer gerechteren Umverteilung der Bildung könnten sich ja die Machtverhältnisse zwischen Weißen und Schwarzen ändern.
Nichts anderes als die ANGST, hier der Weißen vor den Schwarzen, wie die Angst von Männern vor Frauen, bringt Menschen dazu, solche unmenschlichen, ungerechten Regelungen zu treffen. Die kleine Ruby war eines von sechs afroamerikanischen Kindern in New Orleans, das diesen Test bestanden hatte.
Ruby wurde somit das erste afroamerikanische Kind im Süden der USA, das eine gemischtrassige Schule besuchte. Am 14. November 1960 wurde das Mädchen von vier Federal Marshals in die Schule begleitet, empfangen durch einen wilden Mob, der sie anschrie und mit Gegenständen bewarf.
Ich möchte Sie auffordern, sich im Internet die Bilder und Filme dazu anzusehen. Es ist herzzerreißend, wie dieses kleine Kind um Bildung kämpfen musste. In den USA!! In der freien westlichen Welt. Die Schule war völlig leer, als Ruby in der Schule ankam, da alle anderen Kinder von ihren Eltern wegen Ruby zu Hause behalten oder an andere Schulen gegeben wurden.
Auch die Lehrer waren nicht bereit, sie zu unterrichten, bis auf eine Lehrerin, Barbara Henry. Eine Heldin. Oder auch nur ein Mensch, der menschlich war.
Auch einer der Begleit-Marshals hatte eine menschliche Haltung und Meinung zu Ruby: Charles Burks. Er sprach von Ruby voller Bewunderung und nannte sie einen „tapferen, kleinen Soldaten“: „Sie hat viel Mut bewiesen. Sie hat nie geweint. Sie hat nicht gewimmert. Sie marschierte wie ein kleiner Soldat mit, und wir sind alle sehr stolz auf sie.“ Sagte Burks in einem Interview.

Was sagt uns das? Ein weißer Marshal, der wahrscheinlich vorher aufpassen musste, dass Schwarze sich nicht auf Plätze von Weißen setzen und im Bus richtig einstiegen, begleitete nun ein kleines Schwarzes Kind auf dem Weg in die Freiheit durch Bildung. Und er war stolz auf sie.
Über Monate unterrichtete Barbara Henry die kleine Ruby alleine im Klassenzimmer. Auch die Eskorte der US Marshals blieb monatelang bestehen.
Die Familie Bridges hatte unter Schikanen und Drohungen zu leiden. So verlor der Vater von Ruby, wegen des Schulbesuchs seiner Tochter, die Arbeit, und die Großeltern in Tylertown verloren ihre Teilhabe an einem Pachtgrundstück.
Das muss man sich mal bitte vorstellen. Es wird per Gesetz geregelt, dass ein schwarzes Kind, nach Bestehen einer schweren Prüfung auf eine Schule mit Weißen gehen darf und die Eltern der weißen Kinder boykottieren das.

Was muss in diesem kleinen Kind vorgegangen sein? Ich selbst bin Jahrgang 1963. Ruby Bridges ist Jahrgang 1954. Also nur 9 Jahre älter als ich. Wir reden hier nicht über das Mittelalter oder Afghanistan!

Das Mädchen entwickelte – wen wundert es? – Alpträume und Essstörungen, aber es blieb in der Schule und blieb am Ball, unterstützt durch ihre großartige Lehrerin und v. a. ihre Mutter, bei ihrem Schulbesuch.
Was passierte dann? Es passierte, was immer passiert, wenn etwas Neues, eine Veränderung geschieht, die manche Menschen bekämpfen wollen.

Nach und nach halfen Nachbarn aus, auch die übrigen (weißen) Eltern in der Umgebung ließen ihre Kinder wieder in die Schule gehen. Im zweiten Schuljahr wurde die Eskorte aufgelöst und nachdem mehrere andere Afroamerikaner auch dort eingeschult worden waren, normalisierte sich der Alltag der Schule und der von Ruby Bridges.
Ruby Bridges heißt heute Ruby Bridges Hall und lebt in New Orleans. Sie ist Vorsitzende der Ruby Bridges Foundation, die sie 1995 gründete.

Ich kann mich auch in Ruby sehr gut hineinversetzen. Seit nunmehr 11 Jahren lebe ich, wie bereits erwähnt, mehr oder weniger engmaschig unter Personenschutz durch das LKA.

Warum?
Aktuell: weil ich die Idee zu einer Moschee hatte, in der Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander beten und Frauen Imaminnen und Gelehrtinnen der islamischen Theologie sein dürfen.

Ich hatte einen Traum, dass dies möglich ist. Wir als Gemeinde haben es umgesetzt. Aber, wir leben noch nicht ganz sicher.
Ich habe die Geschichte von Ruby erzählt, um zu zeigen, dass bestimmte Dinge ihre Zeit benötigen. Obwohl es nicht so sein sollte.
Im Jahre 2018 sollten wir nicht mehr gefährdet sein, weil wir uns für mehr Rechte für Frauen einsetzen.

Mein Traum nach FREIHEIT geht weit er. Ich wünsche mir ebenso wie Martin Luther King, dass ich lange genug lebe, um zu erleben, dass bestimmte Dinge selbstverständlich werden. Es wird sich zeigen, ob das klappt.

Aber, allein die Vorstellung und das Wissen, dass Veränderungen möglich sind und die nächsten Generationen es besser haben werden, oder besser haben könnten, beruhigt mich. Gleichzeitig sehe ich es als eine Verantwortung unserer Generation an, Verantwortung und Haltung für die Generation unserer Kinder zu zeigen.

1968 wurde Martin Luther King ermordet. Heute noch leben Schwarze in den USA unter ungleichen Verhältnissen. Sie sind von Armut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung sowie Polizeigewalt weitaus mehr betroffen als weiße Amerikaner.

Deutschland ist ein sehr reiches Land. Es rühmt sich Exportweltmeister zu sein. Dennoch gibt es in Deutschland Kinderarmut. Dafür sollten sich die deutsche Wirtschaft und Politik schämen.

Lassen Sie uns nicht vergessen, was bereits erreicht wurde. Lassen Sie uns aber auch nicht zurücklehnen und denken, dass alles erreicht wurde, dass es ausreicht, wenn wir in Europa FREI und in FRIEDEN leben können.
Es sind schon viele Religionen, Reiche und Dynastien untergegangen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie eines Tages nicht mehr existieren würden. Ich rede dabei nicht nur vom Römischen oder Osmanischen Reich. Auch Religionen existieren nicht mehr, die einmal existiert haben.

FREIHEIT ist etwas, was nicht nur auf dem Papier stehen kann. FREIHEIT muss man leben dürfen.

Ich fühle mich frei. Weil ich mir die FREIHEIT nehme Dinge auszusprechen und mich für FREIHEIT einzusetzen. Wohlwissend, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.
Ich will mit einem Gedicht enden, welches mich in meiner Jugend begleitet und mir Kraft gegeben hat:
Leben einzeln und frei wie ein Baum
und Geschwisterlich wie ein Wald
Das ist unsere Sehnsucht
Nazim Hikmet

Vielen Dank
(Es gilt das gesprochene Wort)