Gnade sei mit euch und Friede!

„Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Jesus Christus,dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in allem Wort und in aller Erkenntnis. (1. Brief an die Korinther 1,4-5) Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen.“

Was ist, wenn das letzte Lutherbonbon gelutscht ist?

Was ist, wenn die letzte Packung Lutherkekse pappig und fad aus dem Ostprodukteregal geräumt wird?

Was ist, wenn die letzte Gedenkstätte der Reformation in Mitteldeutschland hochglanzpoliert der interessiert kritischen Öffentlichkeit übergeben wurde?

Was dann ist? Dann ist der 31. Oktober 2017! 500 Jahre geschafft und noch viel mehr vor uns. Gott sei Dank! Das ist. Nicht mehr und nicht weniger. Die Faszination für runde Geburtstage und Jubiläen, hat uns ein besonderes Jahr der Gedenkkultur beschert, eben das 500ste Jubiläumsjahr der Reformation. Unsere Faszination für runde Geburtstage und Jubiläen hat uns mit wunderbaren Veranstaltungen, skurrilen Identitätsfesten, spannenden Erkenntnissen, sehr kritischen Rückfragen und einem nicht zu unterschätzenden Interesse gesegnet. Gewiss, wer Luther war, wissen jetzt wirklich alle, auch wenn ein paar andere ebenfalls Aufmerksamkeit verdient hätten. Und dass die Bibel der Playmobilfigur von Luther irgendwie nicht so richtig an seiner Hand bleiben will, weiß jetzt auch jedes Kind. Gewiss, dass manche Denkmäler vor der eigenen Tür auf kleinen Schachteln ewig stehen bleiben, haben wir vor St.Marien auch gelernt, und dass jeder noch so großartige Gedanke im Shitstorm der anderen Meinungen verglühen kann, auch das wissen wir nun. Wir wissen vor allem, dass Wahrheit nichts mit Rechthaberei zu tun hat und jeder Held der Geschichte weiß Gott wie tiefe Abgründe in seiner Persönlichkeit bereithält.

„Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.“ (Matthäus 10,26b-27)

Wie gesagt, die Faszination für runde Geburtstage und Jubiläen, diesmal mit der Fünfhundert, hat mehr als ein Jahr geprägt, das heute seinen Feiertag in allen Landen hat. Nun leben wir nicht im Jahr 1517 und auch nicht im Jahr 1983. So schön die Erinnerung an das gute Früher sich auch anfühlen mag. Wir leben im Jahr 2017. 2017 ist eine Primzahl, nur durch sich selbst und durch eins teilbar. Sie hat damit etwas sehr Besonderes und an ihr lässt sich inmitten der unzähligen Gedenkstunden, Ausstellung, Bilder, Filme und Diskussionen und kritischen Stimmen wunderbar entfalten, was es wirklich zu feiern gibt jenseits aller Hammerschlagfolklore.

2017 steht als Zahl zuallererst dafür, dass unsere christliche Identität nicht erst 500 Jahre alt ist, sondern wir aus der reichen Tradition der vergangenen 2000 Jahre leben, auch wenn das ein bisschen abstrakt klingt. Die 500 fixiert uns sehr stark auf ein sächsisches Städtlein an der Elbe, wo sicherlich Großes geschah. Viel Größeres geschah jedoch vor 2000 Jahren in dem judäischen Städtchen Bethlehem und ein paar Jahre später in Jerusalem. Dass sich die unendlich schöne Weite des Glaubens an die fortwährende Auferstehung Gottes und die immer wiederkehrende Auferstehung des Menschen, jedes Menschen, über die Jahre immer wieder verdunkelte, machte es notwendig, dass auch einmal ein sächsisches Städtlein an der Elbe berühmt wurde.

Die Grundsignatur der christlichen Hoffnung und die DNA unseres Glaubens wurden jedoch an anderer Stelle verfasst und sie bestehen auch nicht aus irgendeinem Schlagabtausch Mönch gegen Papst, so berechtig er war.Die Grundsignatur der christlichen Hoffnung und die DNA unseres Glaubens entspringen dem Leben, dem Tod und der Auferstehung unseres Herrn, Jesus von Nazareth, dem Christus. Weil er so unmissverständlich und deutlich aus Liebe gehandelt hat, für seine Ideale einstand bis in den Tod und nicht einmal den Tod respektiert hat, setzen Menschen seitdem all ihre Hoffnung in ihn und keine Grenze, keine Sprache und keine Kultur kann Sie davon abhalten. Und das seit zweitausend Jahren und vielleicht auch ein bisschen mehr.

„Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.“

Zweitausendsiebzehn: Zwei, null, eins, sieben stehen für das Fundament unserer Zuversicht, das vor 500 Jahren einmal kräftig durchgeschüttelt wurde, aber sicher und fest im Boden dieser Welt und im Himmel um sie herum verankert ist. Zwei, null, eins, sieben.

Die Zwei: Du und Gott. Gott und Du. Ihr seid euch so nah. Es passt kein Blatt Papier zwischen euch. Keiner als dein Gott allein, sagt Dir, wer du wirklich bist: Ein über alle Maßen geliebter und schöner Mensch. Es gibt niemanden, der sich zwischen euch stellen kann und es gibt niemanden, der dir das madigmachen kann. Die Zwei steht dafür, dass du einen festen Platz in einer der vielen Wohnungen in Gottes Haus hast, auch wenn du dich inmitten deines Lebens manchmal heimatlos und verlassen fühlst. Die Zwei steht für deine Kostbarkeit, die du dir nie und nimmer verdienen musst, sondern seit dem Tag deiner Geburt an dir trägst wie ein schönes Kleid.Trag es mit Stolz und ihr zwei werdet unzertrennlich sein. Du und Gott. Gott und du.

Die Null: Null und nichtig. Nichtig und null. Null und nichtig bist nicht etwa du. Nein. Du bist ja kostbar und geliebt. Was aber null und nichtig ist, ist all dieser Ballast, den du auf dem Rücken mit dir trägst. Denn zur Kostbarkeit und Schönheit der Nummer zwei gehört die Freiheit der Null. Du wirst das, was hinter dir im Leben liegt zwar nicht los, du kannst es aber jederzeit abgeben und liegenlassen. Du kannst den Rucksack vom Rücken nehmen, ihn öffnen, all das, was du darinnen findest in die Hand nehmen, ansehen und weglegen. Du legst solange weg, bis dein Rucksack wieder so leicht ist, dass du aufrecht gehen kannst. Auspacken musst du aber selbst bis du am Boden die Freiheit siehst. Dafür steht die Null. Bei Gott heißt das Vergebung und Umkehr. Null und nichtig. Nichtig und null.

Die Eins: Die Eins ist die kritische Zahl. Die Eins fokussiert dich. Die Eins fordert dich heraus. Mit der Eins fordert Gott dich heraus. Kein anderer Gott neben mir...und du weißt, woran du dein Herz hängst... Die Eins fordert dich immer wieder kritisch heraus, genau zu prüfen, was dir gerade wichtig ist, genau zu prüfen, worauf du deine Energie verwendest oder verschwendest. Und du musst ehrlich sein, wenn du dich selber fragst und wenn du dir antwortest. Gott hat Du zu dir gesagt. Er sagt auch Ich zu dir. Um Aufrichtigkeit und Wahrheit wirst du gebeten, denn dazu hat dich Christus befreit. Dafür steht die Null.

Und die kann wehtun.

Die Sieben: Die Sieben führt zurück zur Zwei. Die Sieben ist faszinierend und verführerisch. Sie zieht dich immer wieder zu sich heran. Sie baut sich immer wieder zwischen dir und den zwei wunderbarsten Dingen deines Lebens auf: Liebe und Verständnis. Du bist geliebt, so wie jeder und jede um dich herum geliebt ist, so absurd das auch manchmal scheinen mag. Du wirst gesehen und damit auch verstanden, so unverstanden und übersehen du dich auch manchmal fühlst. Die sieben steht dafür, dass sich immer wieder Staub und Dunst um die zwei wunderbarsten Dinge im Leben legen

Und du allein und wir gemeinsam müssen sie immer wieder freilegen. Das schaffst du und das schaffen wir, Gott sei Dank, mit seiner Hilfe.Die Sieben führt zurück zur Zwei. Liebe und Verständnis weisen weit über die Menschen, die dich umgeben hinaus. Diese Zwei führen dich hinaus aus deiner eigenen Welt in eine Welt voller vieler anderer geliebter, kostbarer, kritisch-zweifelnder und findender Menschen. Sie alle sind wie du: So eng mit Gott verbunden, dass kein Blatt Papier zwischen sie und ihn passt, auch wenn sie andere Wege des Glaubens gehen, andere Sprachen sprechen und dir auch manchmal sehr fremd bleiben. Gott ist schließlich auch nicht in Wittenberg, sondern in Bethlehem geboren worden und in Jerusalem auferstanden.

Zwei, null, eins und sieben. Was zwei, null, eins und sieben nun konkret für dein Leben bedeuten, musst du selbst durchbuchstabieren und durchnummerieren.

Immer und immer wieder. Aber keine Sorge: Du hast alle Zeit der Welt, dein ganzes Leben, nochmal 500 Jahre und auch die Ewigkeit.

Viel Mut dazu und ein schönes Reformationsfest!

„Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Jesus Christus.“

Amen