In Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Reformation(en) in Berlin. Aufbrüche in der Mitte der Stadt“ zum Reformationsjubiläum finden am 8. Juli unter dem Titel „Wie Kirche sein in einer gottlosen Stadt? Berlin im 19. / 20. Jahrhundert. Dietrich Bonhoeffer und der Nationalstolz“ drei Workshops unter der Leitung von Götz Aly, Christina-Maria Bammel und Christoph Markschies statt.

  1. Nationalistischer Glaube versus globalisierte Religion, mit Dr. Christoph Markschies
  2. Als ob es Gott nicht gäbe – Bonhoeffers Mensch ohne Gott, mit Christina-Maria Bammel
  3. Glaube und Nationalstolz – Fortschritt in den Untergang?, mit Dr. Götz Aly

Am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte sich Berlin im Rahmen der Reichsgründung von 1871 unter Preußens Vorherrschaft zur Hauptstadt des Deutschen Reiches. Der Geist der Zeit fand seinen Ausdruck in einer fortschrittsgläubigen Lebenseinstellung und im sogenannten Kulturprotestantismus, der die christliche Religion in Einklang mit der allgemeinen Kulturentwicklung zu bringen versuchte.
Nationalismen und Orientierung auf historische Wurzeln zeugen von diesem Prozess, der auch in der Errichtung des Lutherdenkmals auf dem Neuen Markt vor der St. Marienkirche seinen Ausdruck fand. Zugleich wurde diese Zeit durch Industrialisierung und einen zunehmenden Kontaktabbruch zwischen Kirche und Stadtgesellschaft geprägt, die nach der Katastrophe des 1. Weltkrieges deutlich zutage trat.
Mit der Verschärfung dieser Entwicklung und dem heraufziehenden Nationalsozialismus entwickelte Dietrich Bonhoeffer die Vorstellung von Religion und Kirche in einer gottlosen Welt. Die Kluft zwischen der Mündigkeit des modernen Menschen und der religiösen Deutung des Glaubens wurde zu einem Zentralthema evangelischer Theologie und zugleich zur Grundfrage der Verkündigung sowie des kirchlichen Lebens. Und sie ist es bis heute – bei aller Rede von der Wiederkehr der Religion – geblieben.

Sonnabend, 8. Juli, 17:00 Uhr
Ort: Ev. Kirchenforum Stadtmitte, Klosterstr. 66, 10179 Berlin

Anmeldung:
Eintritt frei, Anmeldung erwünscht bis 5. Juli unter buero@marienkirche-berlin.de, per Facebook-Nachricht oder unter 030-24759510. Kurzfristige Teilnahme möglich.
Die Workshops laufen parallel. Auswahl eines Workshops vor Ort oder mit der Anmeldung möglich.

Hintergrund:
Reformation(en) – Aufbrüche in der Mitte der Stadt. Beiträge als Dialog zwischen Theologie und Kunst
Die Pfarrkirchen St. Marien und St. Nikolai waren prägende Orte der Reformation in Berlin. Über die Jahrhunderte hinweg gaben sie der lebendigen Auseinandersetzung mit den Ideen und Werten der Reformation Raum. Heute ist die St. Marienkirche die einzige Kirche im Herzen Berlins, die nicht nur die Reformation am eigenen Gebäude durchlebt hat, sondern Zentrum kirchlichen Lebens geblieben ist.
Mit der Veranstaltungsreihe will die St. Petri-St. Mariengemeinde gemeinsam mit dem Verein Musik aus Berlins historischer Mitte e.V. über die Besonderheiten reformatorischen Denkens und Handelns in Berlins Mitte nachdenken und sie lebendig werden lassen.

Weitere Informationen: hier

Foto: falco – CC0 Public Domain
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Kontakt:
anna.poeschel@marienkirche-berlin.de
Tel. (030) 24 75 95 23