Die Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien Berlin verkündigt durch ihre Arbeit das Evangelium Jesu Christi. Wir stehen auf dem Boden der Verkündigung, wie sie in der Bibel Alten und Neuen Testaments, den Bekenntnisschriften unserer Kirche und den jüngsten Verlautbarungen unserer Kirche bezeugt ist und erneuert wurde (u.a. durch Synoden und Bischofsworte, z.B.: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat zur Bekämpfung des Rechtspopulismus aufgerufen. „Neutral bleiben ist keine Option. Nachhaltiger Widerspruch gegen die Thesen der Rechtspopulisten ist Christenpflicht“, heißt es in einem Synodalbeschluss der Herbsttagung der Landessynode 2016).

Die Verkündigung Jesu von Nazareth fasst die Gebote Gottes in einem Satz zusammen: „Liebe deinen Nächsten – er ist wie du.“ So übersetzt es Martin Buber. Das sind das gesamte Gesetz und die Propheten, sagt Jesus, der einzig Herr der Kirche ist. Im Evangelium nach Lukas wird im Anschluss an diese Zusammenfassung die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt. Sie erklärt: Der Nächste ist derjenige, der meine Hilfe braucht. Und ich werde demjenigen zum Nächsten, dem ich helfe.

Jesu gesamtes Wirken ist auf das Niederlegen von Grenzen zwischen Menschen ausgerichtet. Er überschreitet Grenzen, um Menschen einzuladen und zusammenzuführen. Er holt ausgestoßene, verschämte und verleumdete Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion zurück in die Gemeinschaft und formt aus ihnen eine Gemeinschaft gemäß ihrer Bestimmung: Sie sind geliebte Menschen.

Er achtet die Würde eines jedes Menschen unabhängig von seinen Taten und seinem Werk. Er öffnet jedem die Tür zur Vergebung. Darin folgt er dem Wesen Gottes, wie es in den Schriften Alten und Neuen Testaments bezeugt wird.

In diesem Sinne und auf Grundlage dessen wirkt die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien über ihre eigenen Grenzen hinaus, um diese Botschaft Jesu zu verkündigen. Sie tut dies durch ihre Gottesdienste und Projekte. Sie steht insbesondere mit dem House of One für eine offene, auf Versöhnung setzende Gesellschaft ein. Sie sucht und pflegt die Gemeinschaft und den Dialog mit Menschen unabhängig von Herkunft und Religion. Sie steht durch ihr diakonisches und pädagogisches Handeln dafür ein, dass jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Lebensumständen und Ansehen ein Kind Gottes ist. Sie sucht danach, diese Botschaft täglich neu in der Mitte der Stadt zu leben.

Wir beschäftigen uns aufgrund unseres Bekenntnisses zu Jesus Christus und aufgrund unseres Wächteramtes in der Nachfolge Jesu Christi offen mit der Frage, inwieweit die Mitgliedschaft in der Partei Alternative für Deutschland (AfD) mit dem Ältestenamt als Leitungsamt unserer Gemeinde vereinbar sein kann.

Das Wahlprogramm der Alternative für Deutschland und insbesondere mediale Äußerungen von Mitgliedern der Partei spielen mit Ängsten unserer Mitmenschen und entwerfen in der Konzentration auf Grenzziehungen und Abgrenzungen ein politisches Heilsversprechen. Dabei wird mit dem Begriff des „Volkes“ in einer Weise gearbeitet, die mit unserem christlichen Bekenntnis nicht im Einklang steht. Öffentlich wahrnehmbare Äußerungen und Forderungen sind auf Ausgrenzung und Abwertung von Menschen anderer Religion, insbesondere von Menschen islamischen Glaubens, und von Menschen anderer Herkunft angelegt. Sie nutzen in ihrer Argumentation Worte und Wendungen der christlichen Tradition, die in einem nationalistischen und ausgrenzenden Sinne umgewertet werden. Dieser Umwertung widersprechen wir.

Zum Bespiel: Aus dem Kirchenpolitischen Manifest der Alternative für Deutschland Rheinland-Pfalz vom 6.9.2017: „Es ist das legitime Recht jedes Volkes, seine Traditionen und spezifischen Eigenarten zu verteidigen und zu bewahren und sich deren Auflösung in einer multikulturellen Gesellschaft zu verweigern.“

Wir antworten: „Das Volk Gottes, christlich verstanden, besteht aus Menschen aller Nationen, Kulturen und Traditionen. Es lässt die Kategorie des Nationalen hinter sich, weil es die Zugehörigkeit aller Menschen zu Gott meint. Fremde eingeschlossen!“ (Zeit 38/2017). Gott lässt sich nicht nationalisieren und Menschen lassen sich nicht nach ihrer Herkunft oder ihrem Lebensentwurf hierarchisieren. Alle sind gleich-wertig vor Gott.

Hier treffen zwei sich ausschließende Haltungen bzw. Bekenntnisse aufeinander.

Als evangelische Kirchengemeinde grenzen wir Mitglieder der Alternative für Deutschland nicht pauschal aus. Wir sprechen keinem sein und keiner ihr Christsein ab. Wir suchen im Gegenteil das offene Gespräch mit jedem und jeder einzelnen. Wir setzen unsere Hoffnung darin, dass wir die Erfahrung unserer Gemeinschaft unter dem Evangelium und in der Nachfolge Christi machen können. Sie ist eine Erfahrung, die uns immer neu Einsicht, Verwandlung und Umkehr ermöglicht.

Unabhängig von widerstreitenden politischen Meinungen distanzieren wir uns als Gemeindeleitung der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien Berlin auf der Grundlage unseres christlichen Bekenntnisses von unchristlichen und menschenverachtenden Positionen der Alternative für Deutschland. Wir tragen gemeinsam dafür Sorge, dass unser Leitungshandeln der Diskussion verschiedener Positionen Raum in unserer Gemeinde gibt. Die menschenverachtenden Haltungen der Alternative für Deutschland kommen weder verbal noch in unseren Handlungen zur Geltung.

Diese Erklärung tragen alle Ältesten mit außer dem Ältesten Prof. Dr. Markus Egg.

Berlin, den 21. September 2017

 

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