Der Prophet Jeremia, Kapitel 31, Verse 31 bis 34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Gott – ein liebendes JA, ABER in der Welt

Liebe Gemeinde,
die Tafel ist gedeckt.
Das Tischtuch schimmert.
Seidig und schwer im Licht der Kerzen.

Die Hungrigen vom Alex
werden sich noch verschwommen erinnern,
wie es einst war
in den Mülltonnen nach Pfandflaschen zu suchen.

Jetzt gibt es mehr als genug für alle.
Nur die Trauerränder
unter den Nägeln ungewaschener Hände
mahnen an Vergangenes.

Sie werden alle beisammen sitzen:
Die Nachbarn,
die sich bis dahin bloß aus
dem Gerichtssaal kannten,
wo sie ihre Streitigkeiten ausfochten.
Jetzt bewundern sie gemeinsam
den Blumenschmuck auf der Tafel.

Gleich daneben sitzen zwei,
die nie gesehen werden
und einander plötzlich hören
in der je eigenen Sprache.
Und die sich gut aufgehoben fühlen
im Blick des anderen.

Und auch gegenüber am Tisch
gibt es kein missbilligendes Schweigen mehr
zwischen dem Vater und seinem schwulen Sohn:
jetzt lächelt der Alte liebevoll und stolz.
Mehr braucht es nicht.

Ein Kind reicht das Brot weiter
ganz ohne blaue Flecke von Schlägen am Körper
weil es hier in Sicherheit ist.

Einer nimmt das Brot
und beginnt später zu singen.
Es spielt keine Rolle, dass er die Melodie nicht halten kann und dazu den Text vergisst.
Keiner lacht ihn aus, niemand will es besser können.

Eine Frau spürt,
dass ihr Reichtum nichts ist für die Ewigkeit
und schenkt die Fülle ihres Lebens
großzügig aus wie einen Cocktail
und strahlt dabei übers ganze Gesicht.

Alle werden sie versammelt sein, an einem Tisch.
Keiner will den anderen belehren beim Essen.
Keine braucht mehr als die andere,
wenn reichlich ausgeschenkt wird.
Ein einziges feierndes und liebendes Menschenvolk.

JA, ABER – werden Sie sagen. Schön wärs. Die Realität ist anders. Ja. Auch ich kenne die Gegenwart. Ein großes Sommerfest wird es in diesem Jahr nicht geben. Und die Hungrigen vom Alex
sammeln weiter Flaschenpfand, auch wenn sie in die Marienkirche zum Essen kommen. Weil ihr Hunger trotzdem bleibt: nach Brot, nach Liebe, nach einem fairen Leben.
Ja. Auch ich weiß um verbale und tätliche Angriffe nachts in der U-Bahn. Auf meine Brüder und Schwestern, die sich schillernd und wunderschön gegen die Schubladen der Geschlechterrollen sträuben. Ja. Ich kenne das Misstrauen gegen alles, was fremd ist, andere Lieder singt, und anders glaubt. Und ich fürchte die Orte dieser Welt, in denen das Lachen verstummt oder nie zu Hause war. Große Länder gegen kleine Länder. Ich weiß, dass es diese Orte noch immer gibt. Viel zu viele. Überall auf der Welt. Sogar hier in manchem Kinderzimmer in Berlin.

Ja, das ist mir alles bekannt. Und JA, es ist uns anders zugesagt. ABER erfüllt ist es längst noch nicht. Ich habe lange Kommunikation unterrichtet. Da gilt ein JA, ABER als Killer jeglichen Gesprächs: ABER so heisst es da, sagen meist die Besserwisser, die andere nur belehren wollen.
Ich meine es gibt auch ein sehr hoffnungsfrohes, ein kreatives und liebendes ABER. Eines, in dem sich Gott verbirgt. Es ist das Aufbegehren mit dem Herzen: Ein „sich nicht zufriedengeben“ mit dem, was ist. Gott ruft ein ABER in die Welt, das unsrer Sehnsucht Farben schenkt und uns die Worte finden lässt, die Unterschlupf gewähren für mehr als eine dunkle Nacht. Es ist ein liebendes ABER, das den anderen nicht belehrt, doch um die Perspektive weiß: Dass es besser gehen könnte und wir alle Mühe wert sind. Es ist ein ABER gegen das Verstummen, das mir hilft zu leben. Oder einfach zu überleben in Zeiten, die ängstigen. So wie damals bei Jeremia, oder wie heute. Das ABER als ein Zelt der Hoffnung?
Und ich kann es Gott entgegen schleudern oder leise nach ihm rufen: Aber, Du hast es doch versprochen!? Mit Gottes Liebe im Herzen und im Sinn als ein gemeinsames Menschenvolk!
JA, es ist längst nicht alles perfekt, ABER mit Gott leben heißt, daran zu glauben, dass ich nicht egal bin, sondern im Herzen eines Gegenübers wohne. Auf Gott hoffen bedeutet, sich nicht vor morgen zu fürchten, sondern gleich den Tag heute für alle schöner zu machen. Auch für sich selbst.

Gott wird bei uns sein als ewiges Gesetz der Liebe in unseren Herzen. Sie hat es uns versprochen: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR.

Amen