Diese verschriftlichte Fassung gibt den Gedankengang der Predigt wieder, jedoch nicht das direkt gesprochene Wort.

Evangelium nach Matthäus, 2. Kapitel

Flucht nach und Rückkehr aus Ägypten

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15): »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«
Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galiläische Land und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.

Liebe Gemeinde,

Josef gehorcht einer direkten Botschaft Gottes. Sie wird durch einen Boten Gottes klar eingegeben. Es ist eine Art wie Gott beruft zu einem Tun: Er gibt etwas klar ein. Schriftbeweis: Josef (wie hier), Simeon, Apostelkonzil.

Wie gibt Gott etwas klar ein? Joseph geht ja sofort los nachdem ihm Gottes Bote klar gesagt hat, was zu tun sein. Allein in unserem Text dreimal: Zunächst nach Ägypten zu fliehen; dann nach dem Kindermord durch Herodes nach Israel zu gehen. Danach, als er hörte Archelaos war König in Israel, ein Traum, nach Nazareth zu gehen.Diese Art wie Gott hier beruft kennen wir aus unserem Leben als Intuition: Was einem als Erstes nach Auftauchen der Frage einfällt. Allerdings kommen dann schnell Ängste, Erfahrungen etc. Dieses äußert sich dann im Aufstellen von Pro und Contra Listen, Rationalisierungen etc.
Wenn wir die erste Antwort nach Auftauchen der Frage erinnern können, dann wissen wir schnell, was richtig ist. Gott spricht durch die Intuition: Das ist richtig.Gott hat keinen endgültigen Plan; Schritt für Schritt geht es hier zu. Sonst hätte Gott ja den Befehl gegeben gleich nach Nazareth zu gehen. Allerdings bestehen immer Freiheitsspielräume, einer Intuition auch nicht zu folgen.
Dieses muss unterschieden werden vom Impuls. Dieses ist die erste Reaktion auf ein Ereignis ohne Frage. Wenn mich z.B. jemand beleidigt, ist meist der Impuls, zurückzubeleidigen. Dabei ist es klüger, erst einmal die Handlungsoptionen abzuwägen. Wer oft aus einem Impuls heraus handelt, dem oder der tut danach meist auch viel leid. Daher lässt sich klar zwischen Intuition und Impuls unterscheiden.

Ich wünsche Ihnen und mir den Mut, der Intuition als Botschaft Gottes zu folgen.

Amen