Evangelium des Sonntags – Matthäus, Kapitel 5

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Predigttext des Sonntags – Jesaja, Kapitel 2

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem. Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Was ist Dein erster Gedanke, wenn Du morgens aufwachst? [Stille]

Dein erster Gedanke wird sicherlich von Deiner Tagesform abhängig sein, während Du noch die Nacht im Haar und den Schlaf im Auge hast. Er wird davon abhängen, ob die Sonne durch das Fenster scheint oder Dein Aufwachen vom Duster des Morgengrauens eingelullt ist. Bestimmt spielt das Essen vom Vortag eine Rolle und die Aussicht, was der Tag bringen mag. Die Stunden Deines Schlafes und die Temperatur in Deinem Schlafzimmer werden auch nicht unerheblich sein.
Das sind die Dinge an der Oberfläche. Sie haben sicherlich Einfluss darauf, ob Deinem Gemüt morgens die güldene Sonne scheint oder eine schwere Staubschicht auf Deiner Bettdecke und Deinen Empfindungen drückt.
Lass uns aber noch ein wenig tiefer gehen. Leg einmal die Tagesform beiseite, das Wetter auch, das Essen am Abend und die Temperatur in deinem Schlafzimmer und all die Dinge, die manchmal so und oft auch anders sein können.

Wenn Du diese Dinge einmal weglässt:

Welches ist Dein Grundgefühl an den meisten Tagen, wenn Du am Morgen die Augen aufschlägst? [Stille]

Ich behaupte, dass dieses Grundgefühl des Erwachens, Dich nicht nur bis zum Zähneputzen begleiten wird. Es wird die meiste Zeit Deines Tages prägen. Dieses Gefühl wird deutlich oder unterbewusst Dich die meiste Zeit leiten und Du wirst es erst ablegen, wenn Du Dir die Bettdecke wieder über den Kopf ziehst…linkes oder rechtes Bein eben…heißt es ja so schön. Und zugleich ist diese wundersame Behauptung mit dem linken Bein aufgestanden zu sein eine wunderbare Ausrede, die hinkt.

Was war wohl Jesajas erster Gedanke, wenn er morgens aufwachte?
Welches war sein Grundgefühl an den meisten Tagen, an denen dieser Prophet die Augen aufschlug?

Ich stelle mir vor, dass bei ihm jeder Morgen, der graute, ein Feuerwerk der Gedanken war. Soviel energiegeladene Gedanken, dass er sie in seine Welt hinausposaunen musste ohne Wenn und Aber. Solche Propheten waren damals anstrengend und Menschen, die so aufgestellt sind, heben und senken bis heute den Blutdruck ihrer Umwelt und derer, die mit ihnen leben. Wenn dieser Prophet nun also aufwachte, sah er mehr schwarz als blau und sein erster Gedanke war, dass alles jenseits von Gut und Böse war. Das könnt ihr in den 66 Kapiteln seines Buches nachlesen. An allen Ecken sah er Untergang, Verrat und Unterstellung. Rechtsbruch und Ungerechtigkeit nannte er das. Vertrauenskrisen in das Ganze und in die Großen attestierte er seiner Zeit. Zum Kehren mit dem eisernen Besen mahnte er und zum Kehraus der Lebensgewohnheiten und spricht dabei immer wieder von den armen Armen, die geknechtet werden.
Ja, denke ich, ja Jesaja…alles richtig und doch kann man das so oder so verstehen. Gerade heute. Untergang, Rest und Ende und das immer wieder, so als wären alle Messen schon gelesen und die Welt am Abgrund oder kurz darüber hinaus? Solche Gedanken am frühen Morgen sind ein zweischneidiges Schwert. Sie gehen tief und lassen den ganzen Tag bitter werden. So einen Downer holst Du bis zum Abend nicht wieder ein. Wenn Du einmal im Schlamm sitzt, ist es schwer vom Sonnenuntergang am Ende des Tages zu träumen. Geschenkt! Das ist klar. Und das ist auch nur eine Seite von 66 Kapiteln geballter Ladung Prophet Jesaja.

Es ist meistens ein Leichtes den Finger in die Wunde zu legen und zu sagen, was schief läuft. Und daraus einen morgendlichen Frust abzuleiten geht ganz schnell in eine Dauerdepression über. Da ist irgendwann nichts mehr in Ordnung und Dein Leben und die Welt scheint aus den Fugen und alle heizen ordentlich an. Das halte ich für einseitig und unzureichend. Das wäre gerade so, als wenn man ein Schnitzel nur von einer Seite brät und sich dann wundert, dass es sich so schwer kauen lässt. Trübe Gefühle am Morgen sind das eine. Sie sind aber nicht alles. Jesaja redet sich die Welt nicht schön und bügelt das, was schief läuft nicht einfach ab. Er geht beim Aufstehen am Morgen aber noch einen Schritt weiter. Er ist überzeugt von der Kraft des Guten und dass dieses Gute zuallererst in uns und mit unserer eigenen Haltung beginnt:
Wacht Jesaja auf am Morgen, macht er eine ganz einfache Übung: Ein gutes Wort – ein schwieriges Wort. Kennt Ihr das? Es mutet an wie ein Kinderspiel, zeigt Dir aber einen Weg nicht in die Einseitigkeit der Trübsal zu verfallen. Bei Jesaja geht das dann in etwa so: Erst sagt er Haltlosigkeit, dann Festigkeit. Erst Zerstreuung, dann Zusammenhalt. Stagnation – Veränderung. Blut – Heilung. Waisenkind – Mutter. Verwirrung – Neuausrichtung. Schwert – Pflugschar. Spieß – Sichel. Krieg – Frieden. Erst Dunkelheit, dann Licht.

Worauf will ich hinaus? Es ist ganz einfach. Die Kraft Deiner eigenen Gedanken. Dort will ich hin. Die Kraft Deiner eigenen Gedanken. Du sollst Dir nicht die Welt schöner reden, als sie ist. Du sollst und du kannst Dich aber selbst davor bewahren, in einseitige Schwarzseherei zu verfallen und die beginnt meist schon am Morgen, kurz nach dem Aufwachen. Das ist der Moment des Tages, in dem Du es selbst noch in der Hand hast, ob Du die Laus über Deine Leber laufen lässt oder sie einfach wegschnippst wie einen Brotkrümel vom Tellerrand.
Es gibt keinen Automatismus der Dunkelheit oder des Untergangs – weder in Deinem eigenen Leben noch in unserer Welt. Wer solches behauptet, ist selbst am Tag tief umnachtet von dunklen Fantasien und seiner eigenen Trauer. Wer solches behauptet, ignoriert den schönsten Gedanken den Gott in unsere Herzen gepflanzt hat: Die Hoffnung. Die Hoffnung.
Vergangenen Sonntag umschrieb der Prediger hier auf dieser Kanzel das mit den Worten: „Den angstfreien Raum der Liebe betreten.“ Habt Ihr es einmal probiert, Ihr, die Ihr letzte Woche hier wart. Habt Ihr einen sehnsüchtigen Tippelschritt hin zu diesem angstfreien Raum gewagt? Er nannte es eine Einstellungsänderung. Ich nenne es eine Haltungsjustierung, die jeden Morgen beim Aufwachen beginnt, egal wie jung oder alt, krank oder gesund, arm oder reich, fröhlich oder betrübt ihr seid. Bei dieser Haltungsjustierung kommt die Kraft Deiner eigenen Gedanken ins Spiel. Ob der Tag mehr Licht als Schatten mit sich bringt, hast Du in der Hand. Du entscheidest, ob Du Dir selbst Licht oder Dunkelheit prophezeist für diesen Tag. Die Nachrichten hast Du nicht in der Hand und auch nicht die anderen Menschen. Aber Dich selbst hast Du in der Hand. Und Du hast selbst in der Hand, wie Du mit dem umgehst, was dich erwartet, nachdem Du den ersten Fuß aus dem Bett getan hast oder dir hast helfen lassen beim Aufstehen. Du entscheidest, ob Du Salz bist und was kommt. Du entscheidest, ob Du das, was auf Dich zukommt im Licht der Liebe willkommen heißt oder Deine Tür verschließt. Das ist Deine Freiheit. Nichts Dunkles ist vorherbestimmt. Nichts.

Das Licht für dich selbst und den Rest der Welt trägst Du in Dir.
Du bist das Licht. Lösche es nicht!

Amen