Grundlage der Predigt: Evangelium nach Johannes 6, 30 – 35

„Ich bin das Brot des Lebens“
Was macht nicht nur satt, sondern erfüllt die Sehnsucht? Die Antwort gibt der Predigttext in einem Bild- oder Herrenwort: Brot des Lebens = das was wirklich satt macht; Brot allgemein. Lebensunterhalt wie z.B. im Vaterunser und sonst beim Abendmahl im Gegensatz zu allem, was uns hungrig oder sehnsuchtsvoll oder unbefriedigt zurücklässt. Das Brot des Lebens ist die Erfüllung aller Sehnsucht. Jesus sagt nun von sich selbst: Ich bin das Brot des Lebens. Letztlich die Erfüllung aller Sehnsucht, das, was das ganze Leben ausmacht und wo ich jenseits dessen, nichts mehr will. (Erläuterungen, warum Brot des Lebens Sehnsuchtserfüllung ist).

Neben dem konkreten Lebensunterhalt wie Nahrung ist das auch saubere Luft und Wasser, Sicherheit, Wohnung, Beziehung, Gesundheit, Sexualität etc. und Liebe und Lebenssinn, der darin besteht sich und sein tun als wichtig zu erfahren.

Was ist aber mit Erfüllung der Sehnsucht gemeint jenseits des Lebensunterhalts?
Fast alle Sehnsucht gipfelt neben den genannten Grundbedürfnissen nach einem angst- und straffreien Schutzraum, den mir Gott geöffnet hat, und den wir Liebe nennen. Ich muss ihn aber betreten. Es ist der Raum, in dem ich mich angenommen und wertgeschätzt fühle, und ich weiß, dass die Anwesenden es gut mit mir meinen. Sich dort aufzuhalten, ist Glück. Alle Sehnsucht fühlt sich erfüllt an. Ich erfahre, dass es der Sinn des christlichen Lebens ist, zu lieben und geliebt zu werden. Hier darf ich ganz der sein, der oder die ich bin.
Wie kann ich diesen angst- und straffreien Schutzraum betreten?
Mit Richtigkeiten, die ich pflichtgemäß ausführe, werde ich nicht weiterkommen. Es hilft eine Einstellungsänderung, die mich dazu führt, dass ich das wahre Brot des Lebens in meinem Leben schmecken kann:

1. Ich stehe zu meiner Schuld und versuche alles, damit ich Vergebung bekomme. Wenn ich das nicht tue, fürchtete ich Strafe und könnte daher den angst- und straffreien Raum nicht betreten.
2. Ich stelle mich meiner Angst, tatsächlich herauszufinden, was ich will.
3. Wenn ich weiß, was ich will, stelle ich mich der Angst, meinen Willen auch umzusetzen.
4. Ich stelle mich meiner Angst, nicht geliebt zu sein.
5. Ich stelle mich meiner Angst vor Enttäuschung und Wiederholung schlechter Erfahrung und wage zu lieben.
6. Ich versuche, in jedem Menschen Gottes Geschöpf zu sehen, gerade auch in denen, die nerven.
7. Ich versuche, den Sinn meines Lebens im Alltag zu erkennen.
8. Ich suche meinen Platz im Leben, mit dem ich Gott und den Menschen meiner Generation am besten dienen kann. (Dieser Satz ist leider nicht von mir, sondern von Alexander vom Humboldt)
9. Ich versuche herauszufinden, was Gott mit mir der Welt schenken will.
10. Ich vermeide die Frage „warum“ und frage stattdessen, wie bringt es mich in der Entwicklung meiner Persönlichkeit weiter?

Liebe Gemeinde, mit diesen wenigen Punkten habe ich Ihnen zu konkretisieren versucht, wie ich erkennen kann, was mich wirklich satt macht und meine Sehnsucht zur Erfüllung bringt. Die genannten Dinge sind nicht leicht, aber nur gegen die Strömung der Bequemlichkeit geht es zur Quelle des Lebens, dem wahren Brot, das wir nachher im Abendmahl zumindest mit dem Anspruch des angst- und straffreien
Schutzraumes auch teilen werden. Amen