Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welcher genannt war vor dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

Wo fangen wir an? Wo fangen wir an, liebe Schwestern und liebe Brüder?

Seit acht Tagen strahlt der Sinn des Lebens in unserer Mitte und nun bekommt er einen Namen. Ich bin versucht zu fragen, wie sie das Kind acht Tage lang nannten, als es noch keinen Namen hatte: Sagten sie einfach nur „Kind“? Sagten sie gar nichts? Schließlich hatten sie andere Sorgen. Oder gaben sie ihm übergangsweise einen dieser klobigen vier Namen, die Jesaja sich ausgedacht hatte: Friedefürst, Ewigvater, Gottheld, Wunderrat?
Stellen Sie sich vor, wie Maria zu Josef sagt: „Wunderrat muss gewickelt werden!“ Oder wie sie zum Kind sagt: „Friedfürst, ein schönes Bäuerchen!“

Acht Tage hat das Kind keinen Namen. Acht Tage hat keiner einen Namen für den Sinn, der Fleisch wurde und mitten unter uns wohnt. Was keinen Namen hat, das gibt es nicht, auch wenn es physisch existiert. Was nicht mit Buchstabenkombinationen zum Klingen gebracht werden kann, kann physisch zwar da sein, es existiert aber nicht. Es bleibt ein Etwas ohne Inhalt. Und was keinen Inhalt hat, verschwindet in der Sinnlosigkeit wie eine ausgetrunkene und zerquetschte Coca-Cola-Büchse. Einmal leer und damit ohne Sinn, kann sich keiner mehr daran erfrischen, seinen Durst löschen, sich gar daran laben, wie an einer Quelle. Deshalb braucht das Kind einen Namen und es bekommt ihn nun auch nach acht Tagen, wie es der Brauch jener Zeit war. Und das Kind bekommt noch mehr. Das Kind bekommt Zugehörigkeit.
Es wird auf dreierlei Weise zugehörig, hineingenommen in die Welt, in die es geboren wurde. Nicht allein gelassen. Wohin gehörst Du?
Das Kind bleibt kein namenloser, frei fliegender Körper mehr, sondern für die Zeit seines Lebens wird es dazugehören zu den Menschen und damit auch zu uns. Für die Zeit seines Lebens und in alle Ewigkeit.

Seinen Namen kannte der Engel schon, bevor es ihn überhaupt gab. Seine Eltern gaben ihm diesen Namen. Und sie beschnitten ihn. Nach acht Tagen wird klar, dass er dazugehört. Wohin gehörst Du?
Nach acht Tagen ist klar, dass er kein namenloses Etwas ist, sondern Jesus heißt – Gott hilft, Gott rettet. Er gehört sich selbst, weil er einen Namen hat, den andere rufen werden. Einen Namen, mit dem er sich anderen vorstellen wird. Nach acht Tagen ist klar, dass er dazugehört zu einer Gemeinschaft, zu den Menschen jüdischer Tradition und jüdischen Glaubens. Kein Christ, kein Atheist, ein Jude. Nach acht Tagen ist klar, was schon sicher war, bevor er im Bauche seiner Mutter wuchs. Er gehört zu Gott und Gott gehört zu ihm. Die Engel wussten es schon und haben es Josef gesagt, als der von seinem schrägen Glück – Vater zu werden – noch nicht mal zu träumen wagte. Nach acht Tagen gehört er dazu und jetzt fängt alles an. Sein Leben und auch deins.

In dem Moment, wo du dazugehörst, kommt Sinn auch in dein Leben und er bleibt und bleibt und bleibt. Zugehörigkeit ist dein Sinn und der trägt dich auf alle Höhen und durch alle Täler deines Lebens. Auf dreifache Weise gehörst auch du von Anfang an dazu und hast damit den Sinn schon in der Hand, der dein Leben hält. Auch deinen Namen kannten die Engel schon, bevor du das erste Mal im Bauch deiner Mutter gestrampelt und gezappelt hast. Du kommst woher und gehst wohin. Vorher und nachher liegen im Nebel, aber nur für Menschenaugen. Das was du sehen kannst, das was du erinnerst, das, was dir die anderen von deinem Leben erzählen; das ist ein kleiner Ausschnitt deines Lebensbildes, das zwischen Geburt und Tod von dir gemalt wird. Dieses Bild hat aber keinen Rahmen und reicht weit darüber hinaus und davor, denn du gehörst zu unserm Gott und seiner Ewigkeit. Sie gaben dir einen Namen. Vielleicht schon vor dem ersten Tag, vielleicht auch erst am achten. Du hast einen Namen. Sag ihn leise dir selbst.

Er gehört zu dir. Du gehörst zu ihm. Mit ihm bist du eine Persönlichkeit. In ihm und durch ihn erkennen dich die anderen, erkennst du dich selbst. Es ist egal, ob er dir gefällt oder nicht. Weil du ihn hast, kann ich zu dir sprechen. Weil du ihn hast, können andere zu dir sagen: Ich liebe dich. Weil du ihn trägst, kannst du dich selbst lieben, beschimpfen und dich verändern, weil er bleibt. Du bist nicht allein. Du gehörst dazu. Weil sie dir einst Wasser über den Kopf gossen, gehörst du zu einer unsichtbaren und zugleich phantastischen Gemeinschaft der Hoffnungsvollen. Die Gemeinschaft, die gar nicht schwarz und griesgrämig in die Zukunft sehen kann, wenn sie ihren Gott beim Wort nimmt. Weil sie dir eine Sprache und Zeichen gaben, gehörst du zu einer unendlichen Welt der Verständigung mit all den anderen um dich herum. Weil du dich selbst an Menschen und Orte bindest, bist du nie verlassen, sondern kannst genau dorthin zurückkehren, wenn du das Gefühl hast den Boden unter den Füßen verloren zu haben. Auf dreifache Weise gehörst du von Anfang an dazu und du kannst dies beliebig erweitern, aber nie bleiben du und dein Leben bindungslos und sinnfrei. Das schreib dir in dein Herze. Auf mindestens dreifache Weise gehörst du von Anfang an dazu und wirst diese Bindung nie verlieren, so losgelöst du dein Leben auch empfindest.

Und zum Schluss: Wenn du dazugehörst, bist du nicht gefesselt, sondern frei. Gefesselt bist du nur, wenn du diese drei Zugehörigkeiten vergisst und dir billigen Ersatz verschaffst. Es kommt nicht darauf an, was man aus dir gemacht hat, sondern darauf, was du aus dem machst, was man aus dir gemacht hat.

Deshalb bleib froh und hoffnungsvoll und hab ein gutes Neues Jahr! Du gehörst dazu!

Amen