Wir befinden uns gerade in der Hälfte der Passionszeit und dieser vierte Sonntag, der den Namen Lätare trägt, lässt uns Lieder singen, wie: In dir ist Freude, in allem Leide.
Lätare bedeutet: Freue dich. Neues Leben wächst.

Aus dem Jesaja-Buch (Jes 66, 10-14) kommt an diesem Sonntag der Predigttext:
10Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust. 12Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. 13Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

In einem Bibelgesprächskreis würden wir diesen Text gemeinsam lesen und danach miteinander ins Gespräch kommen.
Wenn Sie Lust dazu haben, nehmen Sie sich doch einen Stift und machen Sie sich Notizen. Markieren Sie Wörter oder Sätze, die Sie spontan mögen, mit einem Herz.
Alles was Sie irritiert, kennzeichnen sie mit einem Blitz.
Wichtige Aussagen bekommen ein Ausrufezeichen und Stellen die komisch sind, unverständlich wirken oder widersprüchlich, werden mit einem Fragezeichen markiert.

In meinen Notizen gibt es viele Herzen, aber auch Fragezeichen. Zwei Ausrufezeichen habe ich an folgende Sätze gemacht: 13“Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.“ Mir gefällt ganz besonders die Beschreibung Gottes mit solchen mütterlichen Zügen.
Menschen erinnert das vielleicht an ihre Kindheit und daran, was sie damals zu trösten vermochte. Meist ist es die Erinnerung an ein Gefühl von Geborgenheit und Fürsorge. Oder sie haben ein Bild vor Augen, wie sie selbst ein Kind trösten. Welche Bilder haben Sie vor Augen? Wer hat Sie getröstet? Was tröstet Sie?

Und heute? Was kann trösten, in diesen Tagen, die uns ängstigen? In einer Zeit, in der Menschen sich unbehaglich fühlen in Gemeinschaft anderer, aus Sorge sich mit dem Coronavirus anzustecken und selbst zu erkranken. Alleine sein, gar isoliert bleiben, um nicht zu erkranken? Auf dem Foto mit der Marienkirche, aufgenommen in diesen Tagen, bleibt der sonst so belebte Platz menschenleer. Doch Abstand ist eben keine Ferne. Wir können einander auch berühren, ohne uns anzufassen.
Ich erfahre gerade in diesen Tagen, dass wir in vielen unterschiedlichen und kreativen Formen füreinander da sein können. So ist das auch in unserer Gemeinde und das berührt mich tief. Neue Formen der Verkündigung werden ausprobiert, wenn es momentan keine großen Gottesdienste geben soll. Briefe werden geschrieben, weil gemeinsame Treffen nicht stattfinden. Ein anderes, alternatives Leben wächst in unserer Gemeinde gerade, wie eine zarte Pflanze.

Seien Sie doch dabei. Lassen Sie uns gern auch telefonisch, postalisch oder per Mail in Kontakt treten. Wo an diesem Text haben Sie in ihren Notizen ein Herz oder ein Ausrufezeichen gesetzt? Was rührt Sie besonders an?
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.

Gott behüte Sie!
Ihre Beate Klostermann-Reimers // Vikarin

Post: Waisenstraße 28, 10179 Berlin
Tel: 0176 10213143
Mail: beate.klostermann-reimers @marienkirche-berlin.de