Die MarienKantorei Beim Konzert des Deutschen Requiems von Johannes Brahms

Edition MarienKantorei

Die Edition MarienKantorei macht wiederentdeckte Werke von Komponisten aus Berlins historischer Mitte öffentlich zugänglich. Wenn Sie sich für eine Aufführung interessieren, wenden Sie sich bitte an Kantorin Marie-Louise Schneider.

Leonhard Camerer: Decantabat populus Israel

Leonhard Camerer (um 1560-1584) war von 1582/83 bis 1584 Kantor an der St. Nikolaikirche in Berlin. Er ist einer der ersten Berliner Kantoren, von dem größere Kompositionen überliefert und über dessen Lebensweg einige Daten bekannt sind. Geboren um 1560 in Bayern, ist er 1579 bis1582 als Kantor im protestantischen Linz nachweisbar. Als die Gegenreformation einsetzt wendet sich Camerer nach Norden, nach Berlin, und wird Kantor an der Nikolaikirche und Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster.

Hier wird er als bedeutsamer Kantor, als ausgezeichneter Musiker und Dichter gerühmt (Leonhardus Camerius, Bavarus,.Cantor superior templi Nicolaitani, argutus Canotro, Musicus insignis, cum theoricus, tum etiam practicus & poeticus…)  Am 15. September 1584 heiratet er, doch schon zwei Monate später wird er am 8. November 1584 auf dem St. Nikolaikirchhof begraben. Von Leonhard Camerer sind drei Kompositionen überliefert: Ascendit autem Josph a Galilea für sieben Stimmen und Insano intonuit malignus ore /Dixit afflictus für sechs Stimmen; außerdem die fünfstimmige Motette Decantabat populus Israel, die wohl um 1580 komponiert wurde.


Otto Dienel: Te Deum und Vater unser

Otto Dienel war von 1869 bis 1905 Musikdirektor und Organist an der St. Marienkirche in Berlin.
Er wurde am 11. Januar 1839 in Tiefenfurt, Kreis Bunzlau, Niederschlesien geboren. Sein Vater und Großvater waren Lehrer und Kantoren. Seinen ersten Orgeluntericht bekam er bei seinem Vater. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Görlitz begann er eine Ausbildung als Lehrer am Seminar Bunzlau. Seine erste Anstellung bekam er als Hilfslehrer in Alzenau, danach in Tiefenfurt.
1863-1867 studierte Otto Dienel Musik in Berlin am Königlichen Institut für Kirchenmusik, gleichzeitig ab 1864 an der Königlichen Akademie der Künste Orgelspiel, Kirchenmusik, Violine, Gesang, Chorleitung. Er hatte u.a. Unterricht bei August Wilhelm Bach (1796-1869) und Eduard August Grell (1800-1886). Zunächst wurde er Privatlehrer für Gesang, später auch für Orgel. Seine Schüler waren u.a. Karl Straube (1873-1950), der spätere Thomaskantor, und Bernhard Irrgang (1869-1916), Organist an der St. Marienkirche und am Dom in Berlin. Dienel war auch Musiklehrer am Berliner Seminar für Stadtschullehrer. Bekannt wurde er als Orgelvirtuose und begabter Improvisator. So bekam er 1865 zunächst eine Stelle als Organist an der Bartholomäuskirche in Berlin, danach an der Kirche zum Heiligen Kreuz. Nach dem Tod von A. W. Bach wurde er 1869 als sein Nachfoger Organist an St. Marien. Berühmt wurde Dienel durch seine öffentlichen und kostenlosen „Orgelvorträge“ am Markttag-Mittwoch 12:00 Uhr. Zu diesen volkstümlichen und abwechslungsreichen Konzerten – insgesamt 896 – kamen Menschen aller Schichten, oft in solchen Scharen, dass die St. Marienkirche polizeilich gesperrt werden musste. 1881 wurde er zum Königlichen Musikdirektor ernannt.

Otto Dienel war mit der Fabrikantentochter Johanna Preiss verheiratet und hatte mit ihr 5 Kinder. Er starb am 10. März 1905 in Berlin und hinterließ ein umfangreiches kompositorisches Schaffen. Sein Werkverzeichnis listet 687 Werke auf. Die meisten Werke wurden im Londoner Verlag Novello herausgegeben – eine absolute Ausnahme für deutsche Komponisten in dieser Zeit.

„In ihren hohen spieltechnischen Anforderungen stehen die Orgelwerke Dienels in der großen Berliner Orgeltradition des 19. Jahrhunderts mit ihrer stupenden Virtuosität, wie sie seit August Wilhelm Bach (1796–1860) besonders von Thiele (1816–1848) und August Haupt (1810–1891) weitergeführt wurde. Mit Dienels Tod 1905 endet diese Tradition, die mit ihren Repräsentanten anderen führenden Virtuosen ihrer Zeit an die Seite gestellt werden kann, wobei nur das Instrument Orgel hier einer größeren Öffentlichkeit und Rezeption entgegenstand. Hinzu kam die feste Bindung der Orgel an die Kirche, anders als in England und Amerika, wo Konzerte mit allen nur erdenklichen Programmkombinationen bis hin zu Transkriptionen aus den Bereichen Oper und Symphonik in großen Konzerthallen an dementsprechend reichdisponierten Orgeln selbstverständlich waren.“ (Jörg Strodthoff 2005)

Das Te Deum mit Luthers deutschem Text für Solisten, gemischtem Chor und großem Orchester (op. 583) wurde am 23.11.1897 in der St. Marienkirche Berlin erstmalig aufgeführt. Eine Wiederaufführung fand am 26. Juni 2010 im Rahmen der ersten Internationalen Chormusiktage ChorInt. durch die MarienKantorei Berlin statt.
Das heilige Vaterunser (op. 51) ist eines der bekanntesten Werke von Otto Dienel. In der Edition MarienKantorei wurde der relativ kurze Original-Stimmensatz für Gemischten Chor und Orgel ad libitum um einen Instrumentalsatz als Vorspiel ergänzt.


Johann Georg Ebeling: Ein Tag in deinen Vorhöfen

Johann Georg Ebeling (1637-1676) war von 1662 bis 1668 als Nachfolger von Johann Crüger (1598-1662) Kantor an der Berliner St. Nikolaikirche und damit auch Lehrer am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster.
Hier an der Nikolaikirche traf er auf Paul Gerhardt (1607-1676) und gab 1666 und 1667 sein wichtigstes Werk, die nahezu vollständige Vertonung aller Gedichte Paul Gerhardts, unter dem Titel Pauli Gerhardi Geistliche Andachten heraus. So wie der Lutheraner Paul Gerhardt 1768 Berlin wegen der Kirchenpolitik des reformierten Kurfürsten Friedrich Wilhelm Berlin verließ, so folgte Ebeling 1768 einem Ruf als Lehrer für Musik und Griechisch an das Gymnasium nach Stettin. Stettin war zu dieser Zeit bereits 30 Jahre Schwedisch. Aus den Jahren bis zu seinem Tod sind von ihm zwei Kantaten zu Ehren schwedischer Adliger überliefert.

Geboren wurde Johann Georg Ebeling am 8.7.1637 als Sohn des Buchdruckers Georg Ebeling in Lüneburg. 1658 begann er ein Studium an der Universität von Helmstedt und wurde 1660 auf Grund seiner musikalischen Fähigkeiten Mitglied in dem von Matthias Weckmann geleiteten Collegium Musicum in Hamburg. Er starb am 4. Dezember 1776, dem Jahr des großen Brandes von Stettin in Folge der Belagerung durch die Brandenburger, in dem auch das Gymnasium vollständig vernichtet wurde.


Johann Gottlieb Graun: Missa in Es

Johann Gottlieb Graun wurde 1702/1703 in Wahrenbrück bei Liebenwerda geboren. Seine musikalische Ausbildung bekam er ebenso wie sein jüngerer Bruder Carl Heinrich Graun an der Kreuzschule in Dresden, wo er auch bei Johann Georg Pisendel Violinunterricht hatte. Nach einem Italienaufenthalt mit weiteren Studien bei Guiseppe Tartini nahm er 1726 eine Anstellung am herzoglichen Hof in Merseburg an. Über eine kurze Anstellung beim Fürst zu Waldeck in Arolsen kam er 1732 als einer der ersten Musiker an den Hof des preußischen Kronprinzen Friedrich nach Ruppin/Rheinsberg. 1740 wurde er Konzertmeister der Königlichen Capelle und behielt diese Funktion bis zu seinem Tod am 27. Oktober 1771.

J.G. Graun galt als einer der herausragenden Violin-Virtuosen seiner Zeit und hat ein umfangreiches kompositorisches Schaffen hinterlassen. Er ist ein Vertreter des „Empfindsamen Stils“ und der „Berliner Klassik“. An St. Nikolai in Berlin war er Gemeindemitglied.
Seine Messe in Es (Graun WV A:VI:1) ist spätestens 1760 entstanden. Sie ist im damaligen Berlin zu mehreren repräsentativen Anlässen aufgeführt worden.


Carl Heinrich Graun: Auf frohe Christen

Carl Heinrich Graun wurde 1704/1705 in Wahrenbrück bei Liebenwerda geboren. Seine musikalische Ausbildung bekam er ebenso wie sein älterer Bruder Johann Gottlieb Graun (1701/20-1771) an der Kreuzschule in Dresden, wo er auf Grund seiner Gesangsfähigkeiten zweiter Ratsdiskantist wurde. 1726 nahm er, jetzt als Tenor, eine Anstellung am Hof in Braunschweig-Wolfenbüttel an und überzeugte schon dort mit seinen Fähigkeiten als Komponist. Im Jahre 1735 kam er an den Hof des preußischen Kronprinzen Friedrich nach Ruppin/Rheinsberg, wo er als herausragender Tenor gerühmt wurde. Nach der Krönung Friedrich II. wurde Graun Hofkapellmeister der Königlichen Kapelle und behielt diese Funktion bis zu seinem Tod am 8. August 1759.
In Berlin/Cölln war er zunächst Gemeindemitglied an St. Marien und nach seiner zweiten Heirat an St. Petri. In der St. Petrikirche wurde er auch bestattet.

Graun hat ein umfangreiches kompositorisches Schaffen hinterlassen, das heute bis auf wenige Werke in Vergessenheit geraten ist. Er gilt wie sein Bruder Johann Gottlieb als ein Vertreter des „Empfindsamen Stils“ und der „Berliner Klassik“. Während von seinen über 30 Opern heute kaum noch etwas aufgeführt wird, haben einige Werke seiner Kirchenmusik, wie das Passionsoratorium Der Tod Jesu, das Te Deum (in unserer St. Petrikirche am 15. Mai 1757 uraufgeführt) und auch sein Weihnachtsoratorium weiterhin einen Platz im Repertoire der Chöre.

Die vorliegende Partitur der Kantate für den 1. Weihnachtsfeiertag Auf frohe Christen, singt freudige Lieder folgt einer Handschrift der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. Das Werk ist eine Zusammenstellung von Kontrafakturen aus Chören und Arien der Oper Ataserse (Carl Heinrich Graun, 1743; Graun-WV B:I:8) mit einem neu unterlegten geistlichen Text. Der Textdichter ist nicht bekannt.


Carl Heinrich Graun: Magnifikat in F

Das Magnificat in F hat elf Sätze. Die für die vorliegende Edition verwendete Pariser Quelle (Bibliothéque National de France) stammt nach vorläufigen Informationen aus Leipzig. Die Zuschreibung auf dem Deckblatt an „di Graun jun.“ – also Carl Heinrich Graun – soll auf Johann Friedrich Doles um 1740 verweisen.