Unsere Landeskirche hat mit dem Thesenpapier „Zum Abendmahl einladen“ eine Diskussion über die (unterschiedliche) Abendmahlspraxis in den Gemeinden der EKBO und das dahinter liegende Verständnis dieses Sakramentes angeregt. Der Gemeindekirchenrat von St.Petri-St.Marien hat sich, ausgehend vom Thesenpapier der EKBO, mit der Abendmahlspraxis in unseren Gottesdiensten auseinandergesetzt. Dies ist auf der Klausur des Gemeindekirchenrats im März sowie in der April-Sitzung geschehen. Nachfolgender Text wurde in der Sitzung am 3. April einstimmig beschlossen. Im erweiterten Kirchencafé am 16. Juni nach dem Gottesdienst haben Sie Gelegenheit, mit dem Gemeindekirchenrat und untereinander über die Thesen ins Gespräch zu kommen. Zudem planen wir einen halbtägigen Workshop zum Abendmahl am 19. Oktober. Weitere Informationen dazu folgen.
Das Thesenpapier der EKBO und die Möglichkeit, an der Online-Umfrage teilzunehmen, finden Sie unter: www.ekbo.de/glaube/abendmahl.html

Das Abendmahl ist für (fast) alle Kirchen Quelle und Höhepunkt kirchlichen Lebens – bildet das Zentrum ihrer Identität. Kirchen feiern im Abendmahl ein Sakrament im Auftrag Jesu Christi. Dafür sind die biblisch bezeugten Worte zentral. Abendmahl soll zum Gedächtnis Jesu Christi gefeiert werden. Es ist aber mehr als eine Erinnerung. Es handelt sich um eine erneute Inkraftsetzung. Jesu Christi Leben, Tod und Auferstehung werden zeichenhaft und öffentlich sichtbar verkündigt. Abendmahl (und Taufe) sind somit Teil der sichtbaren Seite der Religion.
Der Glaube ist zunächst ein Geschehen im Inneren des einzelnen Menschen und somit nicht sichtbar. Mit der Teilnahme an der Abendmahlsgemeinschaft zeigt der Mensch für andere sichtbar, woran er glaubt. Mit der Sichtbarkeit wird Glaube unterscheidbar von anderen Glaubenswegen. Diese Sichtbarkeit kann so gestaltet und ausgelegt werden, dass sie Menschen (Traditionen, Kirchen, Religionen) trennt oder verbindet.
Wir müssen mit der sichtbaren Religion mithin mit dem Abendmahl behutsam umgehen, um des Friedens willen.

Abendmahl im Lichte unseres interreligiösen Handelns – Ein Zwischenfazit in Thesenform:

1. Im Abendmahl steckt das ganze Evangelium. Es verkörpert das bleibende Zentrum unserer christlichen Identität. Zugleich erinnert das Abendmahl an die einladende Offenheit Gottes gegenüber allen Menschen in besonderer Weise und stellt diese auch dar. Das ganze Evangelium heißt: Gott ist die Liebe und er schenkt sich allen Menschen zu ihrer Erlösung und Befreiung von Verstrickung und Sünde in seinem Sohn, Jesus Christus.

2. Dieses Evangelium gilt allen Menschen. Daher sind auch alle Menschen willkommen zum Abendmahl, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft, ganz im Sinne Jesu, im Sinne seiner Mahlgemeinschaften und im Sinne des Abendmahles in der Nacht des Verrates.

3. Die im Kern unserer christlichen Identität verankerte und im Abendmahl gefeierte Offenheit Gottes ermöglicht uns eine einladende Haltung in der Ökumene (kirchenoffenes Abendmahl) und im interreligiösen Miteinander (weltoffenes Abendmahl) ohne dadurch unsere Identität zu schmälern oder zu verletzen.
Im Gegenteil – unsere einladende Haltung ist Ausdruck unserer christlichen Identität und stärkt diese mit jeder einladend und würdig, d.h. die umfassende Sinntiefe der Handlung beachtend, vollzogenen Abendmahlsfeier.

4. Von christlicher Seite sollten daher keine Zulassungsberechtigung zum Abendmahl und keine Zumutungsabschwächung des Abendmahlvollzuges erfolgen.

5. Unsere Verantwortung ist es, Jesu Einladung umfassend zu lehren und zu leben und in aller Klarheit zu kommunizieren, sein Mahl dementsprechend und treu zu verwalten.

6. Alle sollten spüren oder wissen, wozu sie eingeladen sind. Wer sich dann angesprochen und eingeladen fühlt, ist willkommen. In Martin Luthers Kleinem Katechismus heißt es hierzu: „[Die Teilnahme am Abendmahl er]fordert nichts als gläubige Herzen“.

7. Ein Mensch wird im Abendmahl durch Gottes Geist Teil der christlichen Gemeinschaft und bekennt sich zu Jesus Christus, ohne dass damit festgelegt ist oder von uns kontrolliert wird, ob ein Mensch Teil dieser Gemeinschaft bleibt, wieder seiner (anderen) Wege geht oder irgendwann wieder am Abendmahl teilnimmt.

8. Im Abendmahl versammelt sich die Gemeinschaft der Getauften auf die Einladung des Gekreuzigten und Auferstandenen hin. Diese Gemeinschaft ist eine offene. Sie folgt der Taufe. Umgekehrt vermag die Abendmahlsgemeinschaft zugleich Stärkung auf dem Weg zur Gemeinschaft mit Gott und auf dem Weg zur Taufe zu sein. Sie steht auf diese Weise unter der Verheißung des: „Kommt alle her zu mir…“ und wird damit auch zum Gastmahl einer Gemeinschaft, die über Zugehörigkeit zu einer Religion oder Tradition hinausreicht. Das lebenslange Ja Gottes und der Segen der Taufe werden für die Zeit der Abendmahlsfeier in der Gemeinschaft aller Menschen, die sich für den Moment gerufen fühlen, sicht-, hör- und schmeckbar.

9. Wenn wir vom einladenden Weg Jesu in der Nachfolge überzeugt sind, dann müssen wir für unser Abendmahlsverständnis werben und unsere ausschlussfreie Abendmahlspraxis leben.