Berlin, den 18. Februar 2020

Nach über 80 Jahren Leerstelle kehrt das Tetragramm (der hebräische Gottesname JHWH) am 21. Februar 2020 an die Parochialkirche zurück. Nach einem Friedensgebet um 12.00 wird feierlich der letzte dann noch fehlende Buchstabe am Portal des Gotteshauses wiederangebracht.

In Zeiten wachsenden Antisemitismus setzt die Gemeinde St. Petri-St. Marien, zu deren Gebiet die Parochialkirche gehört, im 75. Jahr nach Kriegsende ein Zeichen der Mahnung und Versöhnung und macht die Verwurzelung des christlichen Glaubens im Judentum auf besondere Weise sichtbar.

Der Gemeindekirchenrat der Parochialkirche, das Leitungsgremium der Gemeinde selbst, hat 1939 veranlasst, dass das Tetragramm abgeschlagen wurde. „Der Beschluss zur Entfernung kam mitten aus der Gemeinde und wiegt daher umso schwerer. Menschen- und gottesverachtendes Gedankengut breitete sich schleichend auch in unserer Gemeinde aus und führte zu den bekannten Folgen, von denen die Entfernung des Tetragramms nur eine der sichtbaren war. Leider ist diese Tatsache auch 75 Jahre nach Kriegsende noch nicht in aller Deutlichkeit in den Köpfen und Herzen angekommen und wird derzeit auch gerne wieder vergessen und relativiert. Es ist unsere Aufgabe als Nachfolger:innen, die Verblendungen unserer Vorfahren zu benennen und damit Verantwortung zu übernehmen, für Vergebung und Frieden zu beten und für die Gegenwart und Zukunft zu lernen.“, so Pfarrerin Corinna Zisselsberger von der Ev. Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien.

Die Kosten für die Rekonstruktion des Tetragramms in Höhe von 8.000 Euro übernahm die treuhänderische Stiftung Kirchliches Kulturerbe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) durch den Gernot-Mentrop-Fonds.

Termin:

Freitag, 21. Februar 2020, 12.00 Uhr
Parochialkirche, Klosterstraße 66, 10179 Berlin

Ablauf:
12.00 Uhr Friedensgebet in der Parochialkirche mit Pfarrerin Corinna Zisselsberger, Ansprache: Rabbiner Dr. Andreas Nachama, Gesang: Kantorin Marie-Louise Schneider und Kantorin Esther Hirsch,
danach festliche Wiederanbringung des letzten Buchstabens des Tetragramms vor der Parochialkirche,
im Anschluss Gelegenheit zu Einzelinterviews.

Weitere Informationen
https://marienkirche-berlin.de/die-parochialkirche-und-ihr-tetragramm/

Anmeldung und Rückfragen
Anna Poeschel, Ev. Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien
anna.poeschel@marienkirche-berlin.de, 0176-12 21 31 44

 

Foto: Andreas Hoferick