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„Der frühe Beter… Vom Zauber des Anfangs.“

Montag, 1. Januar 2024 um 10:30 Uhr, St. Marienkirche Mitte
Gottesdienst mit Abendmahl
mit Pfarrer Michael Kösling

Wenn Sie zu den ganz Ausgeschlafenen gehören, gehören Sie nach St. Marien! Dann sind Sie eine frühe Beterin, ein früher Beter. Dann stehen Sie mit uns im Zauber des Anfangs. Ganz am Anfang des Neuen Jahres. Während die Stadt ihren Rausch ausschläft sind Sie hellwach und stehen schon und immer noch im Licht von Weihnachten. Dieses Licht leuchtet das neue Jahr aus. Nicht Alles auf Anfang, aber doch so Manches. Etwas von dem Zauber irgendwie bewahren und Kraft bekommen für das, was kommt im Neuen Jahr. Viele Termine sind schon gemacht und Pläne geschmiedet. Und doch wissen wir, dass da Dinge geschehen werden, von denen wir noch nichts wissen, noch nicht einmal eine Ahnung von ihnen haben wir. In den Zauber des Anfangs mit seiner Klarheit und Reinheit, mischen sich schon ein mulmiges Gefühl, Unsicherheit, Kümmernis. Dass in allem Gott da sein wird ist eine Hoffnung und ein vielleicht nur zaghafter Glaube, dem wir uns gegenseitig versichern. Gott ist da im Zauber des Anfangs und jeden Tag der kommen mag. All Sie Ausgeschlafenen! Feiern Sie mit uns am ersten Tag des Jahres Gottes Liebe und Treue. Wir freuen uns auf Sie.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse, 4. Mai 1941)