Sven Drühl: Totentanz Reloaded St. Marienkirche Berlin bis 23.11.2025
Gelobt seist Du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod. Kein lebender Mensch kann ihr entrinnen. (Franz von Assisi)
So besang Franziskus von Assisi kurz vor seinem eigenen Tod den Tod. Der Tod gehört zum Leben. Der historische Totentanz in der Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert zeigt das auf beeindruckende Weise. Der Tod lädt zum Tanz. Ein Mönch des Franziskanerordens eröffnet ihn: Leben wolltet ihr ohne große Not. Nun müßt ihr leiden den bitteren Tod. Alle bittet der Tod zum Tanz: Bischof, Prediger, Kaiser, Ritter, Schankwirtin. Alle müssen sterben. Das ist bis heute so geblieben. Wir auch.
Darstellungen des Todes haben eine lange Tradition. Die Auseinandersetzung mit dem, was man nicht beherrschen oder besiegen kann zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der bildenden Kunst. Der Tod befragt in direkter Weise unsere vermeintlich unhinterfragbare Realität und ist somit prädestiniert, eines der wenigen überzeitlichen, grenzen- und kulturenübergreifenden Themen zu sein. Todesdarstellungen und künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Tod sind so zahlreich, dass sie ein eigenständiges Genre bilden, eine besondere Spielart in diesem Kontext bildet der Totentanz.
Der Totentanz in der Marienkirche ist eines der ältesten bildlichen und textlichen Zeugnisse der Stadt und einer der letzten umfangreich am ursprünglichen Ort erhaltenen mittelalterlichen Totentänze nördlich der Alpen. Schon deshalb ist er als Quelle für diese Bildgattung unschätzbar.
In direkter Nähe und in ihm präsentiert Sven Drühl seine Version eines Totentanzes, die 2011 für den Hospitalhof in Stuttgart entstanden ist und nun in Auszügen nochmals gezeigt wird. Drühls monochrom schwarze Gemälde zeigen freundliche Skelette bei scheinbar alltäglichen Handlungen, sie lehnen sich an die Wand, streiten, liegen auf dem Boden, tanzen und beten. Die Farbe schwarz verweist auf den Tod, Drühl nennt die schwarze Serie Undead.
In St. Marien zeigt Drühl nun eine Skulptur und ein großformatiges Triptychon sowie neun Skelett-Gemälde in 180 x 130 cm aus seinem 15 Tafeln umfassenden Totentanz.
Eine alte biblische Weisheit lautet: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden. Wir laden Sie herzlich ein zum memento mori der ganz besonderen Art zwischen altem und neuem Totentanz.
Alle Veranstaltungen zum „Totentanz“ in der St. Marienkirche
vom 28.9. – 23.11. Ausstellung „Totentanz reloaded“, tgl. von 10-18 Uhr, Eintritt frei, Vernissage 28.9. um 12 Uhr / Finissage 19.11. um 20 Uhr
Freitag, 10. Oktober, 19 Uhr: Musikalische Totentänze des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Veranstalter: Duo Commedia Nova – Gaby Bultmann & Daniele Ruzzier, Eintritt: 15 EUR; Abendkasse oder gb@gaby-bultmann.de oder Tel. 030/21756283
Samstag, 01. November, 17 Uhr
Konzert: Hugo Distler: „Totentanz“ und weitere Werke mit Kantorei St. Jacobi Hamburg, Anna Thalbach (Sprecherin), Martin Bieringer (Sprecher), Jens Geißler (Flöte), Gerhard Löffler (Leitung), Marienorganist Xaver Schult, Eintritt: 10 € / 5 € / frei
Donnerstag, 06. November, 19 Uhr
Orgelempore Konzert und Lesung: „Hölle und Himmel – Tod und Leben“, Musikalisch-literarischer Abend zum 760. Geburtstag von Dante Alighieri mit Kilian Nauhaus (Lesung) und Marienorganist Xaver Schult, Eintritt: 10 € / 5 € / frei
Freitag, 07. November, 19 Uhr (in der Turmhalle, vor dem Totentanz): Gesprächsabend „Schwester Tod“; Pfarrer Michael Kösling, mit Musik und Impulsen zu Tod und Leben, Eintritt frei
Samstag, 15. November, 14 Uhr: Führung „Kunst – der missing link zwischen Leben und Tod – Der historische und ein zeitgenössischer Totentanz in der St. Marienkirche“ mit dem Künstler der Ausstellung „Totentanz realoaded“ Sven Drühl; Tickets: 12 Euro, Anmeldung unter https://crossroads-berlin.com/event/totentanz/
Samstag, 22. November, 19 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart / Christian Grosch: „Mozart-Jazz-Requiem“ MarienKantorei, Bending Times, Marienkantorin Marie-Louise Schneider (Leitung), Eintritt: 25 € / 20 € / 10 €